Gastbeitrag: Clubhouse - die richtige App zur richtigen Zeit?

Seit kurzer Zeit ist diese App auch im deutschsprachigen Raum angekommen und sorgte schon in den ersten Wochen für sehr viel Interesse. Gastautorin Monika Erne hat sich mit der neuen, angesagten Clubhouse-App befasst.

Was ist Clubhouse? Clubhouse wurde vom ehemaligen Pinterest-Mitarbeiter Paul Davison, dem ehemaligen Google-Mitarbeiter Rohan Seth und einem Stanford-Absolventen gegründet.
Aktuell ist die App in der Beta-Version und „nur“ für iPhone-Nutzer verfügbar – die Android-Version soll in Kürze fertig sein.

Wie funktioniert es?
Clubhouse funktioniert wie ein Podcast. Man hört Menschen dabei zu, wie sie sich zu einem Thema austauschen. Es ist live und interaktiv - die Teilnehmer von sogenannten "Rooms" können sich in die Unterhaltung einklinken und dabei sein, d.h. zuhören oder mitdiskutieren.

ABER – man braucht eine Einladung
Um eine Einladung zu Clubhouse zu erhalten, muss man von einem bereits aktiven Nutzer zu Clubhouse eingeladen werden. Doch nicht jeder Nutzer kann automatisch alle seine Freunde einladen, denn nach der Registrierung stehen zunächst nur zwei „Invites“ zur Verfügung.

Ralf Belusa ist bereits dabei
Der Chief Digital Officer von Hapag Lloyd hört immer, wenn es Job und Privatleben erlauben, bei Clubhouse rein. Sein Fazit bislang: „Clubhouse ist interaktives Radiohören, es fehlt nur die Musik". Besonders angetan ist der Manager - wie viele andere Nutzer auch - von dem Einladungsprinzip. Nur wer von einem aktiven Nutzer eingeladen wird, kann selbst auch bei Clubhouse aktiv werden. Eine künstliche Verknappung, die über den Hebel der vermeintlichen Exklusivität vor allem psychologisch wirkt, denn wer Clubhouse-Mitglied werden möchte, wird das auch schaffen. Man möchte meinen, dass dies der älteste Trick der Welt ist. Aber er funktioniert noch immer: Verknappe den Zugang und schon wird ein Produkt attraktiver.

Attraktivität und Aktualität
Hinzu kommt der Promi-Faktor: Indem man bei Clubhouse mit den sogenannten Promis im selben Chatraum ist, verstärkt sich das Gefühl der Exklusivität.

Außerdem zeichnet sich Clubhouse durch eine große Aktualität aus. So wird berichtet, dass zahlreiche Prominente in den USA über die Amtsübernahme von Joe Biden in den USA diskutiert haben. In solchen Momenten zeigt sich, dass Clubhouse im Vergleich zu Podcasts viel schneller ist.

Innovativ oder elitär? – aber doch mit Risiken
Nicht nur der Elitismus ist ein Problem der App, die unmoderierten Räume geben Rassismus, Homophobie und Antisemitismus unkontrolliert Platz und bleiben ungeahndet, da Gespräche nicht aufgezeichnet werden. Datenschützer warnen außerdem davor, dass die Diskussions-App zum Beispiel auf alle Kontaktdaten zugreift und auch Daten von Unbeteiligten abgreift.


Neuer Geschäftsbereich im Digital Marketing?
Wo ein Hype ist, sind Unternehmen und Werbungtreibende meistens nicht weit. Belusa, der bei Hapag Lloyd die Bereiche Digital Marketing, Digital Sales und digitale Produktentwicklung verantwortet, meint: „Es dauert sicherlich nicht mehr allzu lange. Schon bald wird die Professionalisierung einsetzen.“ Als Beispiel nennt er die Gehversuche von Viva con Agua mit dem eigenen „Social Sunday“. Ein Best-Practice-Beispiel sei aber noch nicht dabei.
Man könnte sagen, dass Clubhouse im Marketing ganz ähnliche Möglichkeiten wie im Radio und bei Podcasts haben wird -  Brands können eigene Talks organisieren. Sessions lassen sich aber auch von Partnern bzw. Kunden präsentieren. Perspektivisch wären zudem auch klassische Werbeblöcke innerhalb eines Talks möglich. Auch gebrandete Webinare, Produktpräsentationen sowie die Vergabe exklusiver Coupons oder Gutscheine während einer Clubhouse-Session wären denkbar.

Fazit:
Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen inwiefern der aktuelle Lockdown und die damit verbundene Sehnsucht nach Socialising zum Erfolg der App beiträgt. Damit wäre es die richtige App zur richtigen Zeit.  Oder setzt die App neue Standards und verändert die digitale Kommunikation? Wir werden es sehen!
Monika Erne, (ernecommunication.com)