Größte Fachgruppen des Landes warnen: Schleichender Tod der Dienstleistungsbranchen

Die Fachgruppen Werbung und Marktkommunikation sowie UBIT (Unternehmensberatung, Buchhaltung, Informationstechnologie) warnen vor einem schleichenden Tod ihrer Mitgliedsbetriebe. Das brancheninterne Krisenbarometer zeichnet ein dramatisches Bild. Um die rund 3.000 krisengebeutelten Betriebe zu unterstützen, appellieren die Wirtschaftsvertreter unter anderem an die unternehmerische Solidarität.

Das Coronavirus und seine Auswirkungen sorgen seit Beginn der Krise für große Verunsicherung bei vielen Unternehmen. So auch in den beiden Fachgruppen der WKV „Werbung und Marktkommunikation‘ und „Unternehmensberatung, Buchhaltung, Informationstechnologie“ (UBIT). Mehr als 5.000 Menschen (3.000 Unternehmen, über 2.500 Beschäftige) sind vom Wirtschaftserfolg der dazugehörenden Unternehmen direkt abhängig. „Das ist vergleichbar mit der Einwohnerzahl der gesamten Region Klostertal/Arlberg oder des Kleinwalsertals“, erklärt Fachgruppenobmann Martin Dechant. Mehr als 90 Prozent der Betriebe in den beiden Fachgruppen sind EPU bzw. Kleinunternehmen. Sie haben in der Regel wenig bis keine Rücklagen und werden in einer Krise daher besonders schnell und besonders hart getroffen. „So klein strukturiert die beiden Fachgruppen auch sein mögen, so groß ist die Qualität der Arbeit“, unterstreicht die Fachgruppenobfrau der UBIT, Benedicte Hämmerle.

Krisenbarometer zeichnet dramatisches Bild
In diesem Zusammenhang sind die Signale aus den beiden Fachgruppen besorgniserregend. Die brancheninterne Krisenbarometer-Umfrage zeigt, dass sich die wirtschaftliche Situation nach einer leichten Erholung über die Sommermonate nun ins Gegenteil dreht. Rund zwei Drittel der Unternehmen benötigen dringend Hilfsmaßnahmen. Gleichzeitig rechnen die Betriebe frühestens Mitte nächsten Jahres mit einer Normalisierung der Lage. „Es zeichnet sich ein zum Teil dramatisches Bild ab. Der Ausfall von Aufträgen (bis 100 Prozent) einerseits und die nun bevorstehende Begleichung gestundeter Zahlungen an Finanzamt und Sozialversicherung wird für viele Unternehmer/-innen in Anbetracht des neuerlichen Lockdowns zum existenzbedrohenden Überlebenskampf mit ungewissem Ausgang“, warnt Dechant.

Wichtiger Wirtschaftsmotor in Vorarlberg
Die meisten der diesen Fachgruppen angehörigen Unternehmen stehen nicht im Licht der Öffentlichkeit. Umso wichtiger ist es ihren Vertretern, ihren Stellenwert und ihre Bedeutung für den Vorarlberger Wirtschaftsstandort aufzuzeigen. Hanno Schuster, Fachgruppenobmann-Stellvertreter dazu: „Kommunikation, Kreativität, Beratungsleistungen und IT-Services entstehen im direkten Austausch zwischen Auftraggeber/-innen und Auftragnehmer/-innen. Sie bleiben für eine größere Öffentlichkeit unsichtbar. Aber diese Bereiche zählen zu den Treibern einer modernen Wirtschaft. Gleichzeitig ist Kommunikation während einer Krise das Lebenselixier unternehmerischer Tätigkeit. Jetzt getätigte Investitionen in Kommunikation und Beratung stärken mehr denn je die Position eines Unternehmens im Wettbewerb. Eine qualifizierte Beratung, gerade in wirtschaftlich schwierigen Situationen, kann helfen, aus der Krise wieder herauszufinden und/oder neue Wege zu eröffnen.“

Unternehmerische Solidarität ist gefordert
Viele Unternehmen können mit nationalen und internationalen Auszeichnungen punkten, sind zum Teil bereits Jahrzehnte erfolgreich, bieten Ausbildungsplätze an, verfügen über wertvolles Fachwissen und scheuen keinen Wettbewerb. Dazu kommen die Kenntnis der Region, kurze Wege und die Flexibilität kleiner Einheiten. „Der Verlust solcher Betriebe wäre nicht nur ein Verlust für die Branche, sondern auch für die Standortqualität unseres Landes“, warnt Hämmerle. Damit dies nicht geschieht, appellieren die Wirtschaftsvertreter an die unternehmerische Solidarität. „Die Appelle aus anderen Branchen zur Solidarität mit heimischen Betrieben möchten wir unterstreichen. Denn nicht nur der Urlaub im eigenen Bundesland, sondern ebenso der Einkauf von Dienstleistungen in Vorarlberg ist ein Zeichen unternehmerischer Solidarität und ein Beitrag zur regionalen Wertschöpfung“, appellieren Hämmerle, Dechant und Schuster gemeinsam. Mithilfe des Agentur-Finders der Wirtschaftskammer können Wirtschaftstreibende schnell und unkompliziert passende Kreativ-Partner in ihrer Region ausfindig machen. Hanno Schuster ergänzt: „Die freie Marktwirtschaft ist ein hohes Gut, das wir schätzen und respektieren. Nichtsdestotrotz befinden wir uns in einer Ausnahmesituation, in der es einfach nicht sein kann, dass öffentliche Aufträge ins Ausland oder national vergeben werden, solange die Kompetenz auch im eigenen Bundesland zu finden ist.“

Mit Kooperation und Vernetzung durch die Krise
Darüber hinaus sehen sich die Fachgruppen aber auch selbst in der Verantwortung, Maßnahmen zu setzen, um ihre Unternehmen aus der Krise zu lotsen. So etwa hat die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation einen Reformprozess initiiert, der die stärkere Vernetzung der Branche in den Vordergrund stellt. In einem ersten Schritt soll dafür das designforum in Dornbirn als zentrale Plattform für die Kreativwirtschaft in Vorarlberg etabliert werden. „Gerade in solch schweren Zeiten müssen wir zusammenrücken und kooperieren. Mit den ITler/-innen, Unternehmensberater/-innen, den Fotograf/-innen, der Eventbranche oder den Filmern gibt es viele Synergien. Zusätzlich möchten wir aber mit dem designforum auch Industrie, Handwerk oder Gewerbe ansprechen, die in den Bereichen Produktentwicklung oder Forschung täglich Kreativität einsetzen“, erklärt Martin Dechant.

Factbox
Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation (Stichtag 31.1.2020):
829 Beschäftigte
147 Arbeitgeberbetriebe
920 aktive Gewerbeberechtigungen

Fachgruppe UBIT (Stichtag 31.1.2020):  
1.794 Beschäftigte
347 Arbeitgeberbetriebe
1.679 aktive Gewerbeberechtigungen