Interview des Monats

Der Dornbirner Industriedesigner und 3D-Generalist DI Johannes Diem (Jg. 1981) ist Gründer des Studiodiem, das Produktdesign, 3D-Animationen/Visualisierungen, interaktive Anwendungen und Webseiten anbietet. Brasilien kennt Diem aus einem Entwicklungshilfeaufenthalt und mehrjährigem beruflichen Engagement. Der international aufgestellte Industriedesigner sieht nach Corona einen enormen „Shift vom Papier ins Digitale“.

Vom Grafikdesign zum Animationsstudio?

Johannes Diem: Um genau zu sein, von den ersten Zeichnungen über die Grafik, nach sehr erfahrungreichen Jahren im Industrialdesign hin zu Animation und Interaktion im 3-dimensionalen Raum. Nach meinem Grafik Studium am NDC in St. Pölten und Industrial Design Diplom am FH-Joanneum in Graz, habe ich weitere Ausbildungen in den Bereichen Lichtplanung, Thermoformung, Programmierung, CAD etc. absolviert. In Amsterdam durfte ich bei Star-Designer Marcel Wanders lernen. Ich war u.a. als Abteilungsleiter für Design u. Entwicklung bei G-light in Brasilien, Concept Designer bei Alpla, 3D-Artist bei Zerodivision GmbH, und letztlich als Freelance Senior UX/Industrial Designer für DominicSchindlerCreations tätig.

Sie waren in Brasilien sehr erfolgreich für G-Light tätig – warum kamen Sie zurück?

Johannes Diem: Das waren sowohl private wie karrieretechnische Überlegungen. Ich habe in Brasilien sehr viel erlebt, das mich bewogen hat, in meine schöne Heimat zurückzukehren. Ich hätte dort sicher durchstarten können, aber die Lebensqualität und Sicherheit und vor allem das großartige KnowHow der „hidden champions“ im Vierländereck ist doch phänomenal!

Vor zwei Jahren wurden Sie selbst zum Gründer?

Johannes Diem: Im April 2018 gründete ich mein eigenes Studio in Dornbirn. Seither bediene ich Aufgaben einer klassischen Multimediaagentur, mit einem gewissen Überblick diverser Disziplinen. Meine Interessen finden sich im Moment aber eindeutig in den spannenden Wachstumsmärkten wie CGI, Virtual- u. Augmented Reality – natürlich immer offen für klassisches Produktdesign.

Ihr Studio bietet sehr viele Disziplinen an, geht das überhaupt?
Johannes Diem: Als Querdenker liebe ich komplexe Themen, in meinem Studio arbeite ich eng vernetzt und effizient mit weiteren Designern und Programmierern über verschiedenste Kanäle. Das gesamtheitliche Verständnis für Märkte und deren Eigenheiten, unsere Kenntnis über Produktions- und Verfahrenstechnik machen uns zum zuverlässigen Partner in verschiedensten Bereichen.  Ich bin ein Workaholic, ein Generalist und jemand, der sehr präzise zu arbeiten gelernt hat. So lange der Kreativität genug Luft bleibt finde ich auch sehr viel Spass an der Arbeit. Die Erwartungshaltung der Kunden ist gestiegen, die Zeiten einfacher Webseiten oder Animationen sind lange vorbei, darum ist jedes Projekt aufs Neue eine spannende Herausforderung.  Ich liebe die Abwechslung und die Möglichkeit, diese verschiedenen Disziplinen zu kombinieren. Jedoch bin ich nun daran Synergien bzw. Partner für gewisse Bereiche zu finden, um den Markt fokussierter als Team ansprechen zu können.


Wie sieht die Zukunft der Branche aus?
Johannes Diem: Spannend! Die Technik und die Endgeräte sind langsam in der Lage, VR-Erlebnisse auch für den Smartphone-Nutzer erfahrbar zu machen. Früher war die Rechenpower immer die Crux an der Sache – nun ist sie endlich vorhanden. Die Produktivität von Gestaltern hat sich enorm vervielfacht. Einst gab es ein eigenes Studium für Schriftsetzer, was heute mit Fontsmanager etc. erledigt wird. Kurzum: Gestalter werden vielseitiger, produktiver und schneller. Es geht nicht mehr darum, wieviel Köpfe eine Agentur beschäftigt hat, sondern inwieweit sie mit den rasanten Veränderungen Schritt hält.

Danke für das Gespräch!

Mehr auf:

Studio Diem
Riedgasse 19, 6850 Dornbirn
Tel. +43 69910640477
studiodiem.at