Interview des Monats

Mag. (FH) Katy Bayer (Jg. 1980) absolvierte an der FHV den Studiengang Intermedia, war in Werbeagenturen bei Grabarz & Partner, Montfort Werbung und firmenseitig bei Grass sowie Infront Austria GmbH tätig. Seit 2012 ist sie mit ihrem Grafikbüro Grünkariert mit Schwerpunkt Industrie und Kultur selbständig. Jüngst regte sie für Umfragen der WKV im Zusammenhang mit Corona den Passus "Umsatzeinbruch wegen mangelnder Kinderbetreuung" an. Ein Gespräch über EPU, Eltern und deren Herausforderungen:

Frau Bayer, Sie sind EPU - was war die größte Herausforderung während der Coronazeit?
Katy Bayer: Wir sind zuhause tatsächlich zwei EPU, dazu ein Schulkind: Daraus ergeben sich verschiedenerlei Herausforderungen vor allem logistischer Natur. Wer hat wann (Telefon-)Termine? Wer kann wann das Homeschooling übernehmen? Wer die Nachmittagsbetreuung? Wie erklärt man Kunden, dass man nicht wie gewohnt zur Verfügung steht? Und wie lange akzeptieren sie das, vor allem wenn das Thema Eltern in den Medien eine eher untergeordnete Rolle spielt? Und wie sollen wir 9 Wochen Sommerferien ohne weitere familiäre Unterstützung bewältigen? Und auch nicht zu verachten: Wie geht es weiter, wenn Projekte wegbrechen, fixe Arrangements platzen und Aufträge zurückgezogen werden?

Müsste ich eine Top-Herausforderung nennen, dann ist es wahrscheinlich diese: Bringen Sie zwei Vollzeit-Selbstständigkeiten mit einem Schulkind – in Corona-Zeiten de facto ein weiterer Vollzeit-Job – unter den Hut, ohne dass ein Mensch dabei völlig untergeht.

Haben Sie Anregungen oder Lösungen, wie UnternehmerInnen mit Kindern besser unterstützt werden können?
Katy Bayer: Grundsätzlich glaube ich, dass es hier an Bewusstsein fehlt, vor allem wenn es um Unternehmerinnen geht. Beispielsweise kann ich mich an keine der von vielfältiger Seite zugestellten Umfragen erinnern, in der einmal der Drop-Down-Punkt “Umsatzeinbußen wegen mangelnder Kinderbetreuung” erwähnt war. (edit: wurde mittlerweile aufgenommen)

In bestimmten Bereichen werden – einmal mehr im Zuge der Krise – Dinge von der öffentlicher Seite ins Private verschoben und es wird davon ausgegangen, dass das dann schon irgendwie funktioniert. Es hat sich aber der Bedarf für beispielsweise Betreuungsleistungen jetzt nicht einfach erledigt. Hier nimmt man vor allem Frauen vom Arbeitsmarkt, die dann die unbezahlten Leistungen erbringen, keine Zeit mehr für ihre Jobs und Selbstständigkeiten haben und insgesamt damit deutlich armutsgefährdeter sind.

Unternehmerische Tätigkeiten von EPU-Frauen werden in der Wirtschaft vor allem noch als Do-it-yourself- und Zuverdienst-Businesses wahrgenommen, das finde ich schwierig. Das Thema Kinderbetreuung dürfte deutlich mehr in den Fokus rücken, auch eine offenere Rollenverteilung in Familien sollte systematisch gefördert werden. Es ist löblich, dass es immerhin seit einigen Jahren Kinderbetreuungs-Gelder auch für Selbstständige gibt, aber auch hier wäre eine Reform wünschenswert. Die Zuverdienstgrenzen  gehen an den Lebenswirklichkeiten projektbasiert arbeitender Menschen schlicht vorbei.

Wie „resilient“ sehen Sie die Designbranche?
Katy Bayer: In Vorarlberg ist ein hohes Bewusstsein für Design vorhanden. Ich glaube, das wird sich nicht über Nacht ändern und durchaus in Richtung Jahresende wieder anziehen; vorausgesetzt, es folgen keine weiteren harten Pandemie-Maßnahmen. Aber wir hängen natürlich auch an den Betrieben, die je nach Branche straucheln: andere KleinunternehmerInnen, Gastrobetriebe, FriseurInnen, Selbstständige, die möglicherweise um Ihre Existenzen bangen und als erstes – und völlig logischerweise – die Werbe- und Marketing-Ausgaben streichen. In gewisser Weise sind wir ein Spiegel der Wirtschaft und werden hier mitschwimmen oder eben untertauchen.

Mit Blick auf  Corona: Was wünschen Sie sich für die Zukunft für Ihre Branche und Ihre Unternehmensform?
Katy Bayer: Ich wünsche mir, dass UnternehmerInnen besser wahrgenommen werden, dass Eltern, die nicht nur im selbstständigen Bereich zur Zeit mehr Jobs bewältigen als nur ihren eigenen, nicht so im Regen stehen gelassen werden. Ich wünsche mir, dass kleine EPUs eine faire und solidarische Unterstützung – auch vonseiten der Regierung – erfahren und dass wir nicht mit sich ständig verändernden Härtefall-Fonds abgespeist werden. Ich möchte für meine Arbeit nicht beklatscht werden. Aber ich möchte, dass man sieht, dass auch kleine EPUs mit ihren Umsätzen einen immensen Beitrag zur Gesamtwirtschaft und zu einem funktionierenden Sozialsystem leisten, und dass man dementsprechend agiert.

Vielen Dank für das Gespräch!

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