Kreativwirtschaft als Ermöglicherin der digitalen Transformation

Der neunte Österreichische Kreativwirtschaftsbericht bestätigt: Die Vorarlberger Kreativwirtschaft ist mit 301 Millionen Euro Bruttowertschöpfung nicht nur wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch Treiber der digitalen Transformation. Die Analyse zeigt aber auch, dass die Branche überdurchschnittlich hoch von der Pandemie betroffen ist.

Kreativwirtschaftsunternehmen sind die Triebfeder der digitalen Transformation - der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen. Sie sind Brückenbauer in die digitale Welt und schaffen dabei nicht nur eine Verbindung, sondern sind Übersetzer und Enabler einer umfassenden Weiterentwicklung. „Mit ihrem ausgeprägten digitalen Know-how, kollaborativen Arbeitsweisen und einem starken Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer:innen bringen Kreativwirtschaftsunternehmen innovative digitale Technologien und Geschäftsmodelle in alle Wirtschaftsbereiche, insbesondere auch in noch sehr analog orientierte Branchen“, informiert Dieter Bitschnau, Obmann der Sparte Information und Consulting. „Die 1.653 Vorarlberger Kreativwirtschaftsunternehmen mit ihren rund 5.300 Beschäftigten beeinflussen als Gestalter und Nutzer dieser digitalen Anwendungen, wie und für welchen Zweck Technologie zukünftig in der Gesamtwirtschaft angewandt wird.“ 9,2 Prozent der aller Vorarlberger Unternehmen zählen bereits zur Kreativwirtschaft, die in den vergangenen Jahren hohe Wachstumsraten vorweisen konnten: Im Vor-Corona-Jahr 2018 erwirtschaftete die Branche einen Umsatz von 659 Millionen Euro und eine Bruttowertschöpfung von 301 Millionen Euro.

Kreativbranche von Auswirkungen der Pandemie stark betroffen
Die Kreativwirtschaft ist deutlich stärker von den Auswirkungen der Pandemie betroffen als die Gesamtwirtschaft. Während die Gesamtwirtschaft 7,5 Prozent ihrer Wertschöpfung verliert, hat die Kreativwirtschaft mit einem Rückgang von 10,9 Prozent zu kämpfen. Der Produktionswert in der Kreativwirtschaft geht um zehn Prozent (8,2 Prozent Gesamtwirtschaft), die Beschäftigung um fast sieben Prozent im Vergleich zu 5,2 Prozent in der Gesamtwirtschaft zurück. „Dennoch ist die Kreativwirtschaft auch in der Krise Impulsgeberin für die heimische Wirtschaft und generiert Produktion, Wertschöpfung und Beschäftigung“, betont Bitschnau. Erfreulich ist, dass rund 30 Prozent der Kreativwirtschaftsunternehmen inzwischen wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben, knapp die Hälfte erwartet dies jedoch frühestens mit November 2021.Trotz der Krise wollen 72 Prozent der befragten Kreativwirtschaftsunternehmen in den kommenden zwölf Monaten Investitionen tätigen. Etwa zwei Drittel dieser Betriebe geben als Gründe Digitalisierung (68 Prozent) und Innovation (63 Prozent) an.

2030 das digitale Potenzial nutzen
Um bis 2030 das digitale Potenzial bestmöglich nutzen zu können, bedarf es noch einiger Verbesserungen. Die digitale Transformation ist stark von der Verfügbarkeit von Daten abhängig. „Um die benötigten Daten für kreativwirtschaftliche Innovationen verwenden zu können, sollten Open Source- und Open Data-Initiativen von der Politik stärker unterstützt werden“, fordert Bitschnau. Der Zugang zu Daten, sei es von öffentlichen Stellen, Unternehmen oder Privatpersonen, sollte transparent und fair gestaltet werden. Da die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) häufig als Hemmnis empfunden wird, gilt es, rechtskonforme Spielräume für die Nutzung persönlicher Daten aufzuzeigen und den Unternehmen dadurch die nötige Sicherheit zu geben. „Zudem sollte die Entwicklung neuartiger digitaler Geschäftsmodelle stärker in den Programmen der Innovationsförderung verankert werden“, betont der Spartenobmann und führt aus: „Das Innovationsrisiko ist hier ebenso hoch wie in der technologischen Entwicklung.“ Gerade die Zusammenarbeit mit der Kreativwirtschaft bringt viele neue Geschäftsmodelle hervor, daher braucht es weitere Impulse für branchenübergreifende Konsortien: „Kollaborative Innovationslabore wie beispielsweise die Postgarage oder das Kreativzentrum CampusVäre in Dornbirn bieten Raum für solch ein gemeinsames Entwickeln und Testen neuartiger Lösungen“, sagt Bitschnau abschließend.