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Lustenauer Projekt "Geisterhäuser" als Kreativwirtschaftsgeschichte

Die Kreativwirtschaft Austria sammelt erfolgreiche und anschauliche Beispiele, welche verdeutlichen, wie Kreativschaffende gemeinsam mit ihren Kundinnen und Kunden aus der Wirtschaft Mehrwert und Umsatz schaffen – in diesem Fall sogar für die gesamte Region. Durch die Buchpublikation „Geisterhäuser“ für die Marktgemeinde Lustenau wird dies erzielt.

Für die "Geisterhäuser" werden leerstehende Häuser in Lustenau auf lange Sicht aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt.Einmal leerstehende, alte Häuser fotografieren und ihren Zauber sichtbar machen – aber klingeln, wo niemand öffnet? Am Anfang war das Projekt „Geisterhäuser“ eine Idee und eine Vorstudie. Am Ende wurde daraus ein richtiges Herzenspr: jekt eines bunten Kreativteams, das einen Kreativwirtschaftseffekt für die gesamte Marktgemeinde Lustenau bewirkte.

Kreativer Zugang für die Sensibilisierung mit Leerstand
Obwohl Lustenau mit fast 24.000 Menschen zu einer der größten Vorarlberger Gemeinden zählt, stehen dort rund 800 Häuser leer. Das in ihnen schlummernde Potenzial ungenutzten Wohn- und Geschäftsraums wollte man mit dem Projekt „Geisterhäuser“ sichtbar machen. Die ursprüngliche Idee geht auf den Fotografen Lukas Hämmerle zurück und wurde 2016 in Kooperation mit der ehemaligen C hoch 3 Teilnehmerin und Architektin Julia Kick in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Lustenau fortgesetzt.

Aufbauend auf der Studie „Leerstand in Lustenau“ entwickelte die kreativwirtschaftliche Kooperation  – erweitert um Designerin Julia Gridling, ebenfalls C hoch 3 Absolventin, sowie Historikerin Vanessa Waibel – das Konzept für die Publikation „Geisterhäuser“. Den wohl wichtigsten Beitrag dafür haben die Kinder aus dem ortsansässigen Verein W*ORT geleistet. Das W*ORT ist ein Begegnungsort für Kinder und Erwachsene, indem kreative Potenziale geweckt werden.

Geistergeschichten von Kindern erzählt
Im Rahmen eines Workshops wurden die Kinder dazu eingeladen, die leerstehenden Wohnobjekte aus ihren Augen zu betrachten. Sie begaben sich in den „Geisterhäusern“ auf die Suche nach Spuren und Indizien der darin lebenden Geister. Inspiriert durch die gesammelten Informationen liegengebliebener Post, Bilder und Postkästen brachten die Kinder fantasiereiche und gruselige Geschichten über die leer stehenden Häuser zu Papier.

Vom Geisterhaus zum neuen Zuhause

Das Buchprojekt „Geisterhäuser“ war in weiterer Folge Anlass für die Marktgemeinde Lustenau, das Beratungs- und Vermittlungsangebot „Ein guter Rat“ ins Leben zu rufen. Besitzerinnen und Besitzer von leerstehenden oder mindergenutzten Häusern und Geschäftslokalen, die beabsichtigen, ihre Immobilie zu reaktivieren, können dabei auf ein Netzwerk aus Rechtsfachleuten, Architekten, Bauherren und Bauamt zurückgreifen.

Mittlerweile ist dadurch in die Bestandsaktivierung große Bewegung gekommen: 17 Personen haben sich mit einem konkreten Vorhaben beim Bauamt gemeldet. Einige davon bedürfen noch rechtlicher Abklärung, vier Objekte sind bereits vermietet, acht weitere sind in Vorgesprächen oder bereits in der Planungsphase für eine Revitalisierung, darunter auch die Umnutzung einer Stickerei, ein brachliegendes Grundstück und drei Objekte, die künftig als Mehrfamilienhaus genutzt werden oder Platz für Generationenwohnen bieten. (Stand: März 2018)

Regionaler Kreativwirtschaftseffekt

„Mit dem Projekt Geisterhäuser ist es uns gelungen, das aktuelle und oft negativ besetzte Thema Leerstand in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen und ihm dank des wertvollen Beitrages der Kinder auch eine neue, positive Färbung zu geben“, hält Architektin Julia Kick fest. Die seither steigende Bestandsaktivierung gibt ihr Recht.Durch die branchenübergreifende Zusammenarbeit des Kreativteams und die damit einhergehende (Re-)Aktivierung von leerstehenden Wohn- und Geschäftsraum ist ein Kreativwirtschaftseffekt für die gesamte Marktgemeinde entstanden: „Für mich war es eine schöne Erfahrung, wie ein Projekt entstehen kann, wenn ganz unterschiedliche Berufsrichtungen zusammen kommen“,  so Kick weiter. „Wäre ich für die Projektumsetzung alleine verantwortlich gewesen, wäre vermutlich etwas viel Sperrigeres herausgekommen, das weitaus weniger Leute angesprochen hätte“, ergänzt der Ideen-Inhaber Lukas Hämmerle und veranschaulicht damit, dass Eins und Eins mehr als nur Zwei ergibt, wenn Kreativschaffende am Werk sind.