Stationäre Designmärkte in digitalen Raum holen

Simone Angerer und Barbara Natter betreiben den Onlineshop House of Klunkar. Nun entwickeln sie darüberhinaus Marken und Produkte, vernetzen und begleiten Kreativschaffende innerhalb und außerhalb der Community und verkaufen deren Produkte.

Designmärkte leben von interessierten Menschen, die an Ständen vorbeischlendern, schöne Dinge angreifen und in Interaktion mit den
Designern treten. Durch Corona ging das komplett verloren – ein Umstand, den Grafikdesignerin und Gründerin des Schmuck- und Designlabels Klunkar, Simone Angerer, nicht so hinnehmen konnte: Sie aktivierte die Onlineplattform und -shop House of Klunkar, die rare Sachen von Vorarlberger Kreativschaffenden vertreibt. Damit schuf sie online Verkaufsfläche für Veranstaltungen, die bis dato nur offline stattfanden. Den Kopf in den Sand stecken, wenn schier die Perspektive fehlt, um die eigenen Leidenschaften ausleben zu können? Nicht mit Simone Angerer. Die Bizauerin nutzte Lockdown um Lockdown, um an einer Idee zu tüfteln, die sie zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 hatte: Vormals organisierte sie den Finest Design Markt in Andelsbuch, da dies nicht mehr möglich war, setzte sie auf einen Onlineshop, auf der Designer und Kreativschaffende ihre raren und schönen Dinge verkaufen können – wie bei einem stationären Designmarkt, nur eben online. „Klar, es gibt andere Onlineplattformen mit ähnlichem Konzept außerhalb Vorarlbergs. Was uns von denen abhebt? Wir – Grafikdesignerin und Strategin bzw. Marketerin – docken bei den Kreativschaffenden dort an, wo Hilfe benötigt wird: Das kann eine Unternehmensstrategie sein, reine Social-Media-Betreuung oder auch das Gestalten des Packaging. Die perfekt ausgearbeiteten Produkte integrieren wir in den House-of-Klunkar-Shop – das Produkt gibt es über uns online zu kaufen und wir wickeln den gesamten Bestellprozess inklusive Versand ab. Der Kreativschaffende kann sich somit darauf konzentrieren, das zu tun, was er gerne tut: Ideen zu entwickeln. Fazit: Wir entwickeln Marken und Produkte. Wir vernetzen und begleiten Kreativschaffende innerhalb und außerhalb der Community. Wir verkaufen deren Produkte“, erklärt Simone Angerer die Geschäftsidee hinter House of Klunkar.

Neue Agenturform in Vorarlberg: Brand Incubator meets Design Conglomerate
House of Klunkar sieht sich als Unternehmen, das gemeinsam mit den Kreativschaffenden rund um ein Produkt eine Marke erschafft und die Produkte direkt im eigenen Onlineshop vermarktet. Ein Zusammenspiel, wie es in Vorarlberg bis dato kein zweites Mal aufzufinden ist. „Oftmals arbeiten wir mit Einpersonen-Unternehmen zusammen – ein Umstand, der für andere Agenturen aufgrund der Lukrativität KO-Kriterium ist. Wir wissen aber um genau diese Lücke und setzen dort an. Aufgrund unserer Unternehmensgröße und der sich daraus ergebenden Flexibilität und vor allem aufgrund unseres Expertenwissens, das sich extrem gut ergänzt,
können wir ‚solche Fälle‘ angehen“, erklärt Barbara Natter.

Vom Schmuckdesign-Label zum Brand Incubator
Vor über 10 Jahren hatte Simone Angerer die Idee, Schmuck selbst zu produzieren und zu verkaufen. Sie fertigte von Hand Schmuck an, kümmerte sich um Vertrieb und Versand. Den größten Auftrag zog die Grafikdesignerin 2016 an Land: innerhalb kürzester Zeit galt es 5.800 Armbänder von Hand zu fertigen – für eines der größten deutschen Modemagazine. Seitdem hat sich viel getan: vor rund einem Jahr ist aus dem Schmuckdesignlabel eine Onlineplattform für feine Sachen geworden, die Kreativschaffende aus Vorarlberg und Umgebung selbst und von Hand produzieren.
Mit September 2021 stieg Barbara Natter, ehemals verantwortlich für’s Marketing der Tischlerei Die Køje in Bludenz, mit ein. Ziel: größter Onlineshop für Kreativschaffende in Vorarlberg und darüberhinaus Ziel des zweiköpfigen Unternehmens mit Sitz in Bizau ist es, den Onlineshop für Kreativschaffende stark anwachsen zu lassen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass das kreative Potential riesig ist: 2020 erwirtschafteten in Österreich 45.500 Personen – das sind 11 % aller österreichischen Unternehmen – einen Umsatz von 45 Mrd. Euro. Wir wissen von diesem Potential und wollen es ausschöpfen, wir wollen
hochwertigen handgemachten Sachen mit hohem Designanspruch das Label ‚Bastelsachen‘ nehmen. Dazu setzen wir unsere jahrelange Expertise in Grafik, Marketing, Strategie und unser breit gefächertes Netzwerk ein.“ Aktuell sind über 100 gut kuratierte regional produzierte Sachen im Onlineshop von House of Klunkar zu finden – Anzahl monatlich steigend. „Aus meiner Verzweiflung heraus, keinen Designmarkt mehr organisieren zu können, ist etwas entstanden, das für mich in der Nische ‚Kreativschaffende und deren Sichtbarkeit‘ zukunftsweisend ist“, schließt Simone Angerer ab.