Interview des Monats

Er ist der Künstler unter den Werbern: Mag. Marco Spitzar (Jg. 1964) hat die Kunstgewerbeschule Ortweinplatz in Graz sowie die Akademie der bildenden Künste in Wien (Studium der Bildhauerei bei Bruno Gironcoli) absolviert. Das fünfköpfige Team des „Studio spitzar“ hat eine Mission: Design, Kunst & Kommunikation mit digitalem Storytelling zu verbinden.

Am 15. und 16. Mai bieten Marco Spitzar und Bernhard Hafele in Kooperation mit der Fachgruppe einen Vortrag und Workshop zum Thema „Designkunde“ an. Mehr am Ende des Artikels.

Warum ein Projekttag „Designkunde für die Mittelschule?“

Marco Spitzar: „Design und Marktkommunikation prägen das gesellschaftliche Zusammenleben und die wirtschaftliche Entwicklung eines Standortes stärker, als dies im allgemeinen Bewusstsein verankert ist. Je früher Jugendliche und SchülerInnen mit dem Fachbereich inhaltlich vertraut werden, desto bewusster lässt sich der Umgang mit dem Themenkreis Design und Kommunikation gestalten. Gerade die frühe Wissensvermittlung ist eine wesentliche gesellschaftliche Aufgabe. Wir können über Konsum und Produktverhalten aufklären und zeigen, wie Medien be- und genutzt werden. Es gibt für mich kaum eine wichtigere Berufsgruppe die hautnah an der industriellen und gesellschaftlichen Transformation in eine gelingende Zukunft beteiligt ist, als die Designer. Alle sollten wir diesen Auftrag und diese Rolle annehmen, egal ob Stellenwert oder Akzeptanz ausreichend repräsentiert sind. Eine ambitionierte Vorreiterrolle muss unsere Mission sein. Vor allem, um der nächsten Generation die Möglichkeit zu geben, auf Augenhöhe mitzugestalten.

Wie wichtig ist es, „Design zu lernen“ wenn doch Apps und Tools, Technik und Programme immer besser werden und das Handwerk vorgeblich ersetzen?

Marco Spitzar: „Design ist in erster Linie eine Weltanschauung, eine Einstellung, ein Behaviour. Design entwickelt sich aus Kreativitätstechniken, die alle um das Beobachten, um die Kunst des Fragenstellens kreisen. Ungewöhnliche Zusammenhänge zu entdecken ist eine philosophische und psychologische Haltung, die sich mit Inhalten, Geschichten und Zielen beschäftigt. Erst bei der Sichtbarmachung von Überzeugungen kommen ästhetische Kriterien zum Zug. Der Prozess, die Tools und die Techniken davor kommen viel zu wenig in die Öffentlichkeit – wie eine Geheimniskrämerei um Vorsprünge zu wahren. Wir leben in einer Zeit der Transparenz und Aufklärung - und davon möchte ich ein Teil sein.

Was wünscht du dir für die Branche in Vorarlberg?

Marco Spitzar: „Ich wünsche mir mehr Durchsetzungswillen und mehr Beteiligung, um an den Themen der Zukunft mitzuarbeiten; mehr Leidenschaft und Einsatz für die großen Fragen die auf uns zukommen. Auch wenn wir Designer eine kleine Gruppe sind, dürfen wir keine Opferrolle einnehmen, sondern sollten mit Begeisterung dafür kämpfen Zusammenhänge aufzuzeigen, da sein, überzeugen und Antworten geben. Wünschenswert ist mehr Bekenntnis zum Standort, das Ausschöpfen der Potenziale der vielen Spezialisten hier vor Ort. Wir sollten dies jetzt nützen um der Kreativität eine Chance, ein Gehör, einen Wert zu geben. Wenn wir und vor allem die Politik genau das jetzt versäumen, dürfen wir uns nicht wundern wenn in Zukunft niemand mehr da ist, der kompetent und engagiert ist. Neben einer Frauenquote plädiere ich schon lange für eine „Designquote“ in den Managementboards. Das mag lustig klingen, soll aber zeigen wie wichtig Kreation im Innovationsprozess ist. Alle sprechen von digitaler Transformation und meinen damit nur allzu oft technische Prozesse und vergessen darauf, sich vor allem inhaltlich neu aufzustellen. Eine sich verändernde Gesellschaft braucht veränderte Rahmenbedingungen, die erst einmal gedacht und sichtbar gemacht werden müssen. Ich lade alle Politiker und Unternehmer, alle Pädagogen und Designer jetzt herzlich dazu ein, Designprozessen eine Breite zu geben, von der sie später einmal profitieren können. Designkunde ist die Vision für eine Gesellschaft, die gestalten und nicht nur konsumieren möchte!

Hinweis:

Vortrag Designkunde, Dienstag, 15. Mai, 18 bis 20 Uhr, designforum Vorarlberg

Workshop Designkunde, Mittwoch, 16. Mai, 8.30 bis 14 Uhr, designforum Vorarlberg

Mehr auf: https://www.studio-spitzar.com/home_sticky/designkunde-workshop/

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Zugänge:

- www.studio-spitzar.com
- www.designerandiemacht.org
- www.kreatives-unternehmertum.com