Interview des Monats

Mag. a (FH) für Kommunikationsgestaltung Alexandra Abbrederis-Simpson (Jg. 1971) war u.a. als Regieassistentin und Bühnenbildnerin, Szene-Gastronomin und PR-Beraterin tätig. Aktuell lässt sie mit dem Projekt "Miss Bizzy-Prinzip" und dem Buch "Kreative gründen anders" aufhorchen. Die Printversion wird über Crowdfunding finanziert .

Wie unterscheidet sich die Denk- und Arbeitsweise von Kreativen und anderen Gründern?
Alexandra Abbrederis: "Ich möchte zu Beginn kurz definieren, wen ich meine, wenn ich von „Kreativen“ spreche. Das ist natürlich die „Creative Industrie“, zu der u.a. Musiker, Designerinnen, Architekten, Werberinnen, Autoren oder Künstler gehören. Ich habe aber auch Sparten im Blick, die außerhalb der klassischen Definition liegen. Ich kenne auch kreative Gastronomen, Handwerkerinnen und Berater. Was sie alle verbindet: Sie wollen ihre Talente und Fähigkeiten leben und diese sind die Basis für alle unternehmerische Entscheidungen. Ein klassischer Gründungsberater würden Fragen stellen wie: Welches Produkt braucht der Markt? Wie kann ich die Produktionskosten durch Effizienz reduzieren? Ein kreativer Schöpfungsprozess hat völlig andere Gesetzmäßigkeiten, da geht es nicht um Reproduzierbarkeit oder die Optimierung von wiederholbaren Prozessen. Wir befinden uns in einer dauernden Spannung zwischen Vermarktung und Berufung."

Was brauchen Kreative, um erfolgreich zu gründen?
Alexandra Abbrederis: "Ich bemühe das – veraltete Modell – der zwei Gehirnhälften: Die linke Gehirnhälfte steht für analytische, logische Fähigkeiten und die Rechte für Kreativität und Intuition. In der klassischen Unternehmensgründung wird sehr einseitig auf Analyse und Logik gesetzt.
Natürlich brauchen auch Kreative Know-How zu betriebswirtschaftlichen Themen wie Marktpositionierung, Finanzierung oder Marketing. Leider wird oft sehr defizit-orientiert an die Sache herangegangen: Du bist kreativ, chaotisch und brauchst jetzt Struktur. Kreative gehen jedoch sehr intuitiv an Entscheidungen heran, sie sind Meister der Gleichzeitigkeit und Improvisation, stark im schöpferischen Prozess und in der Vernetzung unterschiedlichster Themen. Diese Fähigkeiten gilt es zu unterstützen – auch in der Gründung. Und es braucht Berater, die Brücken zwischen beiden Welten bauen können."

Warum haben Sie sich für Crowd-Funding entschieden und wie geht es weiter?
Alexandra Abbrederis: "Für mein Buchprojekt „Das Miss Bizzy Prinzip – Erfolgreich Gründen für kreative, intuitive Köpfe“ wollte ich die größtmögliche Freiheit - inhaltlich wie auch in der Gestaltung. Nach längeren Gesprächen mit Verlagen wurde uns klar: Das geht am besten im Eigenverlag. Crowdfunding ist für  uns viel mehr als Finanzierung. Crowdfunding ist Innovationsforschung. Wir wollten herausfinden, wie unser Projekt ankommt. Crowdfunding ist Öffentlichkeit. Wir haben innerhalb kürzester Zeit viele Menschen mit unserer Idee erreicht. Crowdfunding ist Gemeinschaft. Es ist sensationell, wie die Community auf Miss Bizzy reagiert und das Projekt unterstützt.

Die Kampagne läuft noch bis zum 15. Juli 2016. Es war und es ist klar, dass wir mit dem Crowdfunding nie Geld verdienen wollten und auch weiterhin nicht wollen. Es geht uns darum, die Methoden und Ideen in die Welt zu tragen. Deshalb geht die gesamte Unterstützung in die Qualität des Drucks. Alle die mitmachen erhalten das Buch im August dieses Jahres nachhause geliefert."

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