Die „Wortstellerei“ unterstützt beim Publizieren

Mag. Dr. Nikola Langreiter (Jg. 1970) hat in Wien Europäische Ethnologie und Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert und betreibt seit 2014 das Textbüro Wortstellerei. Sie arbeitet seit 1995 als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin mit den Forschungsschwerpunkten Do it Yourself, Tourismus im Alpenraum, Biografie- sowie Frauen- und Geschlechterforschung. Weitere Stationen waren Turia + Kant, die Redaktion von L’HOMME; das iff (Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung) und zuletzt eine Assistentinnenstelle an der Uni Innsbruck, bevor es aus familiären Gründen nach Vorarlberg ging.

Was bietet die Wortstellerei ihren Kunden und Kundinnen?

Nikola Langreiter: Die Wortstellerei bietet Lektorat, Redaktion und Korrektur von Texten aller Art - z. B. Anzeigen, Flyer, Broschüren, Newsletter, Geschäftsberichte sowie von wissenschaftlichen Texten vom Aufsatz über die Monografie bis zum Sammelband (speziell aus geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen). Außerdem können Kundinnen und Kunden bei mir Worte in Auftrag geben: Ausstellungstexte und Katalogbeiträge, Broschüren, Firmengeschichten, Biografien, Rezensionen. Und ich übersetze aus dem Englischen. Nach wie vor arbeite ich auch wissenschaftlich - besonders gern an Schnittstellen von Forschung und Gesellschaft. Voriges Jahr durfte ich etwa die Ausstellung „Wem gehört das Bödele?“ zusammen mit Petra Zudrell kuratieren. (Die Ausstellung ist noch bis Mai im Stadtmuseum Dornbirn zu sehen.)

Wie fühlt es sich an, in einer wichtigen, aber wenig „sichtbaren“ Branche wie dem Lektorat zu arbeiten?
Nikola Langreiter: Für mich fühlt es sich perfekt an! Ich unterstütze dabei, Geschriebenes lesefreundlich zu formulieren - ein guter Text macht mich glücklich und die AuftraggeberInnen auch. Diese Arbeit geschieht nicht auf der Bühne, sondern abseits, in Ruhe. Dass man ein Lektorat oder eine Korrektur bestellt hat, möchte man mitunter lieber vertraulich behandelt haben. Es scheint vielfach irgendwie peinlich, sich beim Schreiben helfen zu lassen. Viel peinlicher finde ich, wenn Schriftstücke holprig formuliert, schwer verständlich oder fehlerhaft veröffentlicht werden. Für eine Lektorin bedeutet es den Idealzustand, wenn sie unsichtbar ist - der Text ist besser, der Schreiber oder die Schreiberin erkennt ihn aber noch wieder, Fehler sind verschwunden. Der größte Stressfaktor für mich ist, dass man einen komplexen Auftrag evtl. nicht völlig fehlerfrei abliefert.

Stichwort geschlechtergerechtes Texten und Korrigieren?
Nikola Langreiter: Als Dienstleisterin richte ich mich nach den Wünschen meiner AuftraggeberInnen, wenn es ums „Gendern“ geht. Persönlich halte ich sehr viel von geschlechteradäquatem Formulieren, denn ich bin überzeugt davon, dass Sprache Wirklichkeit schafft. Über die Schreibweisen und deren Lesbarkeit - Binnen-I, Gendergap, Gender-Sternchen, Konstruktionen wie /inne/n – lässt sich trefflich streiten. Über die damit verbundenen grammatikalischen Herausforderungen nicht (z. B. so etwas wie "AkademischeR ExpertIn“ ist unbestreitbar ein No-Go). Geschlechtergerechtes Texten ist eine Herausforderung, es stört immer den Lesefluss.  So zwingt es - und das finde ich positiv - dazu, über die bestehenden Geschlechterverhältnisse nachzudenken.

Was könnte die Fachgruppe für die oft „vergessenen“ Berufsbilder leisten?
Nikola Langreiter: Als EPU mit Versorgungspflichten (eine Tochter im Volksschulalter) habe ich leider sehr wenig Zeit für die Angebote der Fachgruppe. Ich freue mich über dieses Forum und die Fragen, die mir hier als Lektorin gestellt werden. Ich hätte mir - das hat mit Berufsbildern zu tun - gewünscht, dass die Anhebung der Grundumlage gestaffelt erfolgt wäre. Die Branche ist nicht homogen, sie versammelt unterschiedliche DienstleisterInnen, die hinsichtlich der Möglichkeiten ihrer Preisgestaltung unterschiedlich starkem Druck ausgesetzt sind. Ganz abgesehen von dem letzten, für viele ökonomisch schwierigen Jahr, wo ich mir erwartet hätte, dass die Wirtschaftskammer auf ihre Rücklagen zurückgreift und auf die Mitgliedsbeiträge verzichtet. Ich arbeite viel für den Kulturbereich und für Wissenschafter und Wissenschafterinnen, die wegen Corona keine Planungssicherheit haben und die Auswirkungen der Krise stark spüren. Meine Anregung wäre, die Informationen der Fachgruppe auf die Vielfalt der Mitglieder besser zuzuschneiden. Die Mitglieder der Fachgruppe möchte ich ermuntern, das breite Spektrum der Dienstleistungen in der Branche in Anspruch zu nehmen.
Mehr über die Wortstellerei: www.wortstellerei.at