Interview: Christian Schützinger

Üblicherweise wird eine Marke an Kunden durch Prospekte, Websites, Videos oder Messeauftritte vermittelt. Das Tourismusland Vorarlberg beschreitet nun neue Wege und schafft sich ein eigenes „Markenhaus“, das auf die Reise zu potentiellen Gästen geschickt werden kann. Mag. Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus, erklärt im Interview, wie die Idee entstand und was dahinter – oder vielmehr: im Markenhaus – steckt.

Vorarlberg Tourismus hat sechs Kreativteams geladen, ein transportables Markenhaus für Vorarlberg zu schaffen. Welche Aufgabe haben Sie den Teams konkret gestellt?
Beim Projekt Markenhaus sind wir von der Überzeugung ausgegangen, dass eine Tourismusmarke am intensivsten in einem Raum erlebt werden kann. Dieser Raum sollte auch transportfähig sein, damit er auf Reisen geschickt werden kann. Der Kontakt mit dem Urlaubsland Vorarlberg quasi „vorab“ soll dem persönlichen Erlebnis vor Ort schon ziemlich nahe kommen. Wir haben daher sechs Szenografie-Teams mit der Frage konfrontiert, wie ein Raum gestaltet sein könnte, der das Urlaubserlebnis Vorarlberg darstellt. Zum Briefing wurden Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen. Während einer zweitägigen Exkursion durch Vorarlberg konnten sie auch mit interessanten Persönlichkeiten sprechen.

Die Teilnehmer präsentierten ihre Konzepte einer international besetzten Jury aus Tourismus-, Marken- und Kommunikationsexperten und rund 100 Fachbesuchern aus der Vorarlberger Tourismusbranche. Wie ist ihnen die Umsetzung der Idee gelungen?
Den Büros ist es in verblüffender Weise gelungen, in sehr kurzer Zeit den Kern der Marke Vorarlberg zu erspüren und in kraftvolle, räumliche Konzepte zu übersetzen. Interessant war der komplett andere Blickwinkel von Szenografen im Vergleich zu klassischen Tourismusagenturen. Ihr Zugang von „außen“ ist befreit von Verkaufsdruck und aktuellen touristischen Angeboten der Region, die in Prospekten oder im Internet zu finden sind. So sind sehr unterschiedliche Bilder von Vorarlberg entstanden.

Das Siegerprojekt stammt von chezweitz&roseapple aus Berlin. Was zeichnet es aus und wie könnte es eingesetzt werden?
Kurz gesagt packten die Berliner Szenografen chezweitz&roseapple zehn mannshohe Buchstaben des Wortes VORARLBERG in einen modern gestalteten LKW-Container. Jeder dieser Buchstaben repräsentiert in Material und Gestaltung eine erlebenswerte Facette des Landes, vom Kunsthaus Bregenz über die Landschaft, Tierwelt, Handwerkskunst bis zur Gastfreundschaft. Das V von Vorarlberg soll beispielsweise die Atmosphäre des Kunsthauses Bregenz wieder geben, mit Betonverkleidung, enthaltenem Leuchtkörper und auswechselbaren Ausstellungsansichten. Das L aus Holzschindeln mit darauf gebrannten Signaturen ist als Referenz an die heimische Handwerkskunst und Vorarlberger Persönlichkeiten gedacht. Jeder Buchstabe für sich hat Charme und sie wären überall einsetzbar. Sie könnten im LKW-Container in unterschiedliche Städte gebracht werden und zum Beispiel vor dem Eiffelturm oder beim Brandenburger Tor verteilt aufgestellt werden. Der Container selbst wäre das „Haus“, die Heimat der Buchstaben und damit zentrales Präsentationselement. Der Entwurf der Berliner setzt sich damit auch stark mit dem öffentlichen Raum auseinander und hat großen Ereignischarakter. Um ihn zu realisieren, sind wir derzeit auf der Suche nach Partnern.