Interview des Monats

Veronika Fehle (Jg. 1979) leitet seit März 2011 das Pressebüro der katholischen Kirche. Nach dem Studium der Deutschen Philologie mit dem Modul Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien war sie auch einige Jahre als Redakteurin der VN-Kulturredaktion tätig.

Wie kommuniziert die katholische Kirche Vorarlbergs?
Veronika Fehle: "Aus organisatorischer Sicht ist die Kommunikation im Pastoralamt angesiedelt. Wir arbeiten in Teams zusammen. Das Team Kommunikation umfasst neben dem Pressebüro auch die Internetredaktion der Katholischen Kirche Vorarlberg, das Vorarlberger KirchenBlatt sowie die CD-CI-Verantwortung. In der Arbeit orientieren wir uns am Bild einer Pool-Redaktion. Jede und jeder Mitarbeiter hat seine Kernaufgaben, kann aber auch jederzeit andere bzw. weitere Aufgaben übernehmen, sollte es in einem der kommunikativen Bereiche zu einem Engpass kommen. Wir arbeiten so gesehen bereichsübergreifend und –wie man doch so schön sagt – auch „crossmedial“.
Inhaltlich betrachtet ist es unser höchster Anspruch, offen, ehrlich und authentisch zu kommunizieren. Nur was ,echt' ist, ist glaubhaft. Unser Ziel als Team ist es Schwellen einzuebnen und so auch das Verstehen und das Verständnis für Kirche wachsen zu lassen. Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass ein Gegenüber weiß, wie Kirche „funktioniert“ und wir leisten in dieser Hinsicht oft auch viel Erklärungsarbeit und versuchen, die Sprache der Kirche in ganz normale Alltagssprache zu „übersetzen“. Denn was nützt der beste Inhalt, wenn er nicht verstanden wird.
Übrigens, wenn man so will, ist die Kommunikation bereits im Evangelium verankert: ,Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!' (Mk, 16,15) Ich will jetzt nicht behaupten, dass das Team Kommunikation der Katholischen Kirche Vorarlberg das ganz alleine schaffen könnte, aber wir arbeiten daran.

Wo erreicht Ihr Eure "Kunden"?
Veronika Fehle: "Ganz wichtig sind hier die Frauen und Männer in den Pfarren. Sie sind direkt bei den Menschen, sind die „lokale Kontaktstelle“. Mit ihnen steht und fällt vieles. Deshalb ist die Unterstützung der Pfarren einer unserer wichtigsten Schwerpunkte.
Ein zweiter Kanal ist die ganz ,normale' Presse- und Kommunikationsarbeit. Pressegespräche, Interviews, Fotoservice, Recherchehilfe, eine Website, die das breite Themenspektrum abbildet usw. Über diesen Kanal „wandern“ unsere Themen dann in die Medien und über die Medien wieder zu den Menschen.
Und ein drittes sind jene Initiativen, Projekte, Programme, Einrichtungen, die häufig ganz nah bei den Menschen sind, ohne dass sie zwangsläufig als „Kirche“ wahrgenommen werden. Dazu zählen oft Projekte der Jungen Kirche, dazu zählt sicher auch an vielen Stellen die Arbeit des Ehe- und Familienzentrums, das z. B. Alleinerziehende und Kinder aus Trennungssituationen unterstützt. Dazu zählt das alljährliche Ethik-Forum, die ,Tage der Utopie' in St. Arbogast, viele Angebote des Bildungswerks etc. Hier geht es neben der direkten Unterstützung vor allem darum, wichtigen und interessanten Projekten und Themen eine Plattform zu bieten, sie sichtbar zu machen. Dass es sich dabei um Angebote der Kirche handelt wird nie „verheimlicht“, steht aber nicht im Vordergrund. "

Was sind, abgesehen von tagesaktuellen Krisensituationen, die größten Herausforderungen für Sie?
Veronika Fehle: "Das ist wohl die ,Kurskorrektur'. Bilder von Kirche, die sich einmal festgesetzt haben, sind unglaublich schwer zu korrigieren. Es sind Vorstellungen, die auch zu Vorurteilen werden können, die schlussendlich nur noch nach ihrer Selbstbestätigung suchen. Ganz einfach gesagt: Zu zeigen, dass die Kirche die größte Elternbildungseinrichtung des Landes ist, dass in interkulturellen Eltern-Kind-Gruppen Integration ganz real ist, dass die Lesefrühförderung ein Schwerpunkt der diözesanen Bibliotheksarbeit ist, dass die Junge Kirche Berufscoachings anbietet, dass die Caritas als Einrichtung der Kirche Asylsuchende unterstützt usw. ist um einiges schwerer zu transportieren, als das Bild einer streng hierarchischen, konservativen Kirche."

Danke für das Gespräch!