Interview des Monats

Erst vor kurzem erhielt Oliver Ruhm (Jg. 1980) als CEO von Zeughaus für das Redesign der webbasierten Buchhaltungssoftware „FastBill“ den German Design Award. Mit Gespür für die Vereinfachung komplexer Abläufe ist Ruhm mittlerweile im ganzen deutschsprachigen Raum im Bereich User Interface Design tätig. Kunden wie der gehypte Personal Cloud Server Protonet (Hamburg) oder die Mobile Ticketing Suite Palisis in Zürich arbeiten mit ihm.

Wie war Ihr Werdegang in der Branche?

Oliver Ruhm: „Ziemlich linear. Mit fünf Jahren wollte ich Comiczeichner werden, mit sieben Jahren beschloss ich dass man da zu wenig Geld verdient und ich lieber Grafik mache. Nach der BORG-Matura im bildnerischer Zweig habe ich in der Fachhochschule Intermedia studiert und dann den Einstieg in die Selbständigkeit gewagt. Ohne Kunden und Kontakte, das waren anfangs harte Zeiten. Ich habe Ende der 90er begonnen Webdesign zu machen, ab 2005 bin ich über Lovely Systems in die Web-2.0-Geschichte eingetaucht und habe für die Holtzbrinck-Verlagsgruppe, den Tagesspiegel Berlin und andere Verlage den Bereich User-Interface in großen Projekten begleitet. Das war eine sehr lehrreiche Zeit.“

Zeughaus macht einiges über Grafik, Design und Werbekonzepte hinaus?
Oliver Ruhm: „Wir haben zwei Geschäftsfelder – das eine ist das was viele andere ebenso anbieten: Corporate Design, Kampagnen, Inserate und Websites etc. Als gleichwertigen, zweiten Bereich sind wir Experten für User-Interface-Design und User-Experience-Design und arbeiten damit an funktionalen und visuellen Konzepten für Benutzeroberflächen. Das User-Interface-Design steht für das Sichtbare wie Farbe, Schrift und Struktur. Die User-Experience dafür, wie das Produkt entwickelt wird, wie ist der „Joy of Use“, was macht das Erlebnis der Software oder des digitalen Produktes aus. Im User-Interface spielen wir europaweit ganz vorne mit Projekten in Hamburg, Berlin, München, Zürich mit. Topaktuell arbeiten wir für die FIBA an der Website des Europäischen Basketballverbandes. Unsere Stärke liegt in der aktiven Mitarbeit in der Produktentwicklung. Dafür wurden wir auch ausgezeichnet.“

Wie gehen Sie einen neuen Job mit internationalen Kunden an?

Oliver Ruhm: „Ein Beispiel für ein intensives Projekt der letzten Zeit ist: Wir holen die Leute aus ihrem Arbeitsumfeld und quartieren sie in ein schönes Hotel in Feldkirch ein. Holen sie aus ihrem Alltag, machen mit ihnen Sightseeing und platzieren dann in den Arbeitssitzungen auch ihr Produkt neu. Das kann so weit führen, dass man nicht an bestehende 5000 Kunden denkt, sondern an noch nicht bestehende 55.000 Kunden und vom Auftraggeber sehr viel Mut verlangt. Wir pflegen eine intensive Beziehung zu den Kunden, es sind beinahe schon enge Partnerschaften. Bei uns bekommt jedes Projekt nicht nur die passende technologische Basis, sondern auch eine persönliche Note: Für das Projekt „Web Independence Day 2013“ – das von Proton gelauncht wurde und bei dem der Projektleiter in Feldkirch das Gulasch meiner Frau sehr schätzte, haben wir für den Projektlaunch 12 Einweckgläser mit Vorarlberger „Independence-day Gulasch nach Hamburg geschickt...