Interview des Monats

Eva Engel ist seit 25 Jahren in der Branche als Creative Director, Konzeptionistin und Autorin tätig und seit 2010 Geschäftsführerin ihrer „agenturengel“, einer Full-Service-Agentur mit Schwerpunkt Corporate Publishing und hochkarätigen Kunden wie Bauart, Huber Watches Jewellery, Hohentwiel SchifffahrtsgmbH, Versace, Lipton Tea u.a.

Die agenturengel räumt hochkarätige Awards ab, welches Erfolgsgeheimnis steckt dahinter?
Eva Engel: Leider hab ich darauf nur eine ernüchternde Antwort: Knochenharte Arbeit und ein kleines Team, in dem sich jeder 100% engagiert. Wir analysieren und kreieren auf den Punkt genau. Ein bisschen hier und ein bisschen da, das gibt es bei uns nicht. Wer für seine Kunden als Agentur große und wichtige Projekte umsetzen will, muss sich richtig reinknien. Das mag gerade in Zeiten wie diesen, in denen ein schönes Design schon mal über so manche nicht vorhandene Tiefe hinwegtäuschen kann, nicht so populär sein, aber es führt daran langfristig einfach kein Weg vorbei. Der Trend hin zu exzellent aufbereiteten Inhalten wird in Zukunft all jene abstrafen, die meinen, ihre Kunden sind doof. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kunden sind erwachsen geworden. Was mich aber tröstet: Das war in unserer Branche schon immer so. Als ich vor knapp 30 Jahren eingestiegen bin, haben wir Nächte lang durchgearbeitet. Ich bin privat ein großer Serien-Fan und wenn ich mir „Mad Men“ so anschaue, dann erkenne ich uns auch nach einem halben Jahrhundert als Branche darin wieder.

Fullservice oder Spezialisierung - was würden Sie Agenturgründern empfehlen?
Eva Engel: Ich denke Fullservice ist ganz wichtig, ansonsten begrenzt man sich unnötig selbst. Warum soll man nur Vorspeisen auf der Karte führen, wenn man genauso gut das komplette Menü bieten kann? Vor allem aber würde ich jungen Leuten dringend empfehlen, zuerst 10 bis 15 Jahre in guten Agenturen zu arbeiten und so Erfahrungen zu sammeln. Ich bin über die EPU-Schwemme gerade in unserer Branche nicht glücklich. Viel zu viel junges Talent wird dadurch verheizt. Die Erwartungen müssten bereits in der Ausbildung relativiert werden. Wer meint, nach der Uni oder FH bereits zu wissen wie der Hase läuft, der kann eigentlich nur Schiffbruch erleiden, egal wie begabt. Nur, wer bereit ist, viel Zeit und Herzblut zu investieren und nicht sofort eine Million auf dem Bankkonto erwartet, wird in weiterer Zukunft auch als Agenturchef überleben. Die Konkurrenz ist einfach riesig. Allein die Grafikerschwemme wird die kommenden Jahrgänge voll erwischen. In Wien kostet ein guter Grafiker bereits jetzt nur mehr halb soviel wie etwa in Vorarlberg. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind sehr gut, was ich vermisse, ist eine genauere Vorselektion der Studierenden sowie eine praxisnahe Aufklärung, wie der Markt aussieht und was die Absolventen wirklich erwartet bzw. was von ihnen erwartet wird.

Sie sind bekannt für ausgezeichnete Magazine. Ist Corporate Publishing ein Zukunftsmarkt?
Eva Engel: Unbedingt. Mein Team und ich bieten sowohl das klassische Portfolio einer Werbeagentur – von der Visitenkarte bis zum TV-Spot, wir gehen aber immer öfter neue Wege, denn Unternehmen brauchen ein Content Mindset. Sie müssen mehr über Inhalte kommunizieren statt über klassische Werbebotschaften. Kunden, Mitarbeiter und Partner haben sich emanzipiert, stehen heute auf Augenhöhe und wollen gut informiert und unterhalten werden. Kommunikation ist gleich Service. Ob Magazin, Corporate Books, Cross-Media-Solution, Geschäftsberichte in digitaler und gedruckter Form – inhaltsgetriebene Kommunikation entfaltet entlang der gesamten Customer Journey ein hohes Momentum. Leider sehr oft schlecht umgesetzt. Es genügt nicht, Bildchen und Text nebeneinander zu setzen. Ein gutes Magazin ist genau am Punkt und fasziniert von der ersten bis zur letzten Seite.