Interview des Monats

Gabriela Harmtodt (Jg. 1968) ist neues Mitglied des Fachgruppenvorstandes. Die gebürtige Leobnerin absolvierte die Grazer Ortweinschule für Grafik und Design und kam mit 19 Jahren nach Vorarlberg. U.a. war sie bei den Agenturen Wiener und Konzett beschäftigt, bevor sie sich 1999 mit coop4 selbstständig machte.

Sie sind EPU und bieten mit Ihrem Büro Grafikdesign?
Gabriela Harmtodt: Ich bin EPU  - von Anfang an jedoch firmiere ich in einer Büro- und Arbeitsgemeinschaft mit meiner Kollegin Monika Rauch. Wir arbeiten als coop4 - schon lange bevor das Wort coworking in aller Munde war - zusammen und bieten Grafikdesign und Illustration vom ersten Entwurf über die Materialität bis zur Produktionsbegleitung. Mir ist wichtig, Grafikdesign nicht als kosmetische Oberflächenbehübschung zu verstehen.  Grafikdesign ist für mich eine Querschnittsmaterie. Konzeptionelles Denken und Arbeiten ist gefordert. Für mich heißt das, sich nicht ausschließlich für Grafikdesign, sondern für fast ALLES zu interessieren - egal ob Technik, Biologie, Naturwissenschaften, bildende oder darstellende Kunst, von zeitgenössisch bis historisch, Architektur, Literatur, Musik, Sport, Geschichte, Politik oder Ökonomie - denn daraus zieht man letztlich seine Ideen.

Wie schätzen Sie die Veränderungen des Marktes für die Branche ein?
Gabriela Harmtodt: Ich bemerke seit einigen Jahren einen gewissen Preiskampf. Mit Dumping machen sich die AnbieterInnen natürlich schnell selber kaputt - aber  sie zerstören damit auch die Marktpreise. Besonders Einzelkämpfer müssen lernen, ihren eigenen Wert und
den Wert ihrer Arbeit zu erkennen und realistische Stundensätze zu verlangen. Wappnen kann man sich selber dagegen nur, indem man bei der Abwärtsspirale nicht mitmacht. Das ist nicht immer einfach und geht nur, wenn man Reserven erarbeitet,  die einem erlauben, auch mal einen Auftrag abzulehnen. Um up to date zu bleiben sollte man neugierig sein und bleiben. Nicht nur rein fachliche Weiterbildungen besuchen, sondern auch "out of the box" einen Vortrag über Wirtschaftsthemen oder meinetwegen einen Imkerkurs besuchen. Sich nichts vorkauen lassen und keine all inclusive Reisen buchen.

Frau Harmtodt, Ihnen sind die EPU ein Anliegen, wo liegen Verbesserungsmöglichkeiten?
Gabriela Harmtodt: Einpersonenunternehmen sind als kleinste Einheit in der Wirtschaft  recht  widerstandsfähig gegen Krisen und Schwankungen, sofern sie die ersten 3 bis 4 Jahre überstehen. Damit sie diese ersten Jahre gut überstehen, muss intensiver auf die Fallstricke hingewiesen werden, die sich zum Beispiel aus der um 3 Jahre verzögerten Abrechnung der SVA ergeben können, und wie man als kleines Unternehmen dagegen vorbauen muss.  EPU haben häufig wenig betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse. Einen Steuerberater will man sich gerade in den ersten mageren Jahren - wo dieser am nötigsten wäre - womöglich auch nicht leisten. Und schon ist es passiert...

Bestimmte wirtschaftliche Grundkenntnisse sind notwendig, um bestehen zu können. Wir versuchen in der Fachgruppe mit unserer Veranstaltungsserie „Hausaufgabe“ das Interesse daran zu wecken. Bereiche wie zum Beispiel jener der sozialen Absicherung liegen aber nicht in der Kompetenz der Fachgruppen, sondern bei den Gesetzgebern.
Hier kann man nur mit über die Fachgruppe hinausgehendem Engagement einzuwirken versuchen.

Danke für das Gespräch!