Interview des Monats

Der gelernte KFZ-Mechanikermeister und langjährige Lehrlingsausbilder Peter Sandholzer ist seit 2008 Ausbildungsberater in der Lehrlingsstelle der WKV. Er ist überzeugt: “Es herrscht viel Unwissenheit über die Möglichkeiten und Chancen einer Lehrausbildung. Von der Lehrausbildung profitieren Lehrherren wie Lehrlinge – auch in der Kreativbranche.“

Herr Sandholzer, zu den Voraussetzungen für die Einstellung eines Lehrlings zählt der Feststellungsbescheid. Was ist das?
Peter Sandholzer: Das ist ein Verfahren, dass von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer gemeinsam als Lokalaugenschein im Betrieb vorbenommen wird. Hiebei wird geprüft, ob das Berufsbild dass der künftige Lehrbetrieb vermitteln möchte, auch erfüllt wird. In den meisten Fällen ist es so, dass wenn einzelne Positionen nicht vermittelbar wären,  eine Auflage in den Bescheid aufgenommen werden kann. Hier besteht z.B. die Möglichkeit, im Ausbildungsverbund mit einem Partnerbetrieb oder in einem Kurs diese Fähigkeiten zu erlernen. In der Kommunikationsbranche lässt sich das meiste jedoch sehr gut abdecken.

Zudem muss jemand im Betrieb  die Lehrlingsausbilderprüfung ablegen?
Peter Sandholzer: Voraussetzung für die Ausbildung eines Lehrlings ist die Absolvierung der Lehrlingsausbilderprüfung. Ein Ausbilderkurs ist in kürzester Zeit absolvierbar. Inhalt sind methodisch pädagogische Themen in der Lehrlingsausbildung. Arbeitsrechtliche Feinheiten, Grundlagen in der Lehrlingsausbildung,  das Kinder- und Jugendausbildungsgesetz sowie allgemeine Themen wie die Kommunikation mit Auszubildenden. Das dürfte in Ihrer Branche nicht schwerfallen! Nach 44 Stunden, inklusive Abschlussgespräch, hat man den Ausbilderschein in der Tasche.

Für den Lehrbetrieb gibt es zahlreiche Förderungen?
Peter Sandholzer: Die Fördermöglichkeiten sind umfangreich. Für das erste Lehrjahr können drei Bruttolehrlingsentschädigungen, für das zweite Lehrjahr zwei und für das dritte bzw. vierte Lehrjahr ein Bruttolehrlingsentschädigung bezahlt werden. Da in der Kreativbranche kein Kollektivvertrag besteht, wird sich diese Förderung an Referenzwerten orientieren. 1. Lehrjahr 460 Euro, 2. Lehrjahr 609 Euro, 3, Lehrjahr 806 Euro und viertes Lehrjahr 948 Euro. Bei kompletter Lehrzeit kann man im Schnitt um die 1.100 Euro jährlich für die Ausbildung an Förderung lukrieren. Bei größeren Aktivitäten, zusätzlichen Kursen etc. kann sich diese entsprechend erhöhen. Gesondert gefördert wird die Lehre für Erwachsene, also Personen über 18 Jahre. Auch Auslandspraktika oder Zwischen- und überbetriebliche Maßnahmen werden finanziell unterstützt. Last but not least werden ausgezeichnete und gute Lehrabschlussprüfungen ebenso wie Maßnahmen für Lehrlinge mit Lernschwierigkeiten finanziell gefördert.

Anmerkung für die Kreativbranche: Im Rahmen des Bildungsplus der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation können Kurskosten mit 50 % oder bis zu 200 Euro pro Kurs refundiert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!