Interview des Monats

Markus Hanzer (geb. 1955 in Wien) Partner der Agentur cleverdesign ist seit Juli 2015 Studiengangsleiter InterMedia der FH Vorarlberg. Seine Stationen waren u.a. die Leitung der ORF-Grafik, Mediendesign/-beratung für SAT.1, ARD, Das Erste, PHOENIX, Premiere, ATV, RBB, ZDF, arte und sind Lehrtätigkeiten an der MultiMediaArt (Szbg), Angewandten in Wien, Kunstuniversität Linz, FHWien der WKW, FH St. Pölten und Donau-Universität Krems.

Sie verfolgen neue Zielsetzungen – u.a. um der Automatisierung zu begegnen?

Markus Hanzer: Der professionelle Gestaltungsbereich ist einem raschen Wandel unterworfen. Kaum ein Lebensbereich kommt heute ohne Gestaltung aus. Sobald die Nachfrage in einem bestimmten Dienstleistungsbereich massiv steigt, verändert sich meist auch das Angebot. Wer etwas gestaltet haben möchte, kann daher heute auf einem globalen Markt das attraktivste Angebot wählen, er kann sich aber auch dank immer intelligenterer Softwarepakte selbst an Gestaltungsaufgaben versuchen, die vor kurzem noch eine umfassende Ausbildung erforderten. Oder er kann aus einem enormen Angebot aus vorgefertigten Gestaltungsmuster ein für ihn passendes auswählen. Wer nicht mehr zu bieten hat als handwerkliches Geschick, wird, wie derzeit in fast allen Branchen zu beobachten ist, entweder seinen Preis internationalen Standards anpassen, oder eine zusätzliche Qualität anbieten müssen, die über gestalterische Grundlagen hinausreicht. Deswegen haben wir die Studiengänge überarbeitet und den aktuellen Anforderungen angepasst.


Das Intermedia-Studium erfährt nun eine große Veränderung?

Markus Hanzer: Wir betrachten Gestaltung als ein Werkzeug, dass in der Lage ist, Menschen bei der Bewältigung ihres Lebens zu helfen. Wir müssen daher vor allem die Bedürfnisse der Menschen verstehen und untersuchen, wann welche Form von Gestaltung sich in dieser Beziehung als hilfreich erweist. Gestaltung ist nie abgekoppelt von jenen Zusammenhängen, die unser Leben bestimmen, sondern jenes Tätigkeitsfeld, das Menschen helfen soll Erfahrungen zu machen, die ohne formgebende Unterstützung nicht zugänglich wären. Die zentrale Frage ist heute: Wie kann Gestaltung Menschen dabei unterstützen ein lebenswertes Leben zu leben? Welche Gestaltungsformen eröffnen den Menschen neue Handlungsräume? Wie kann Gestaltung den Menschen helfen die Welt aus erweiterten Perspektiven zu betrachten, Erinnerungen zu bewahren, Vorstellungen zu kommunizieren, Stimmungen zu modulieren, sich zu orientieren und vieles mehr? Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, eine Gestaltungsausbildung als interdisziplinärere Auseinandersetzung mit vielfältigen Lebensbereichen anzubieten.

Im Bachelorstudiengang erlernen die Studierenden anhand eines konkreten, selbst gewählten Beispiels all jene professionellen Methoden, die bei der Bewältigung einer komplexen Gestaltungsaufgabe hilfreich sind. Diese Methoden der Gestaltung werden so vermittelt, dass sie sich im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn stets erweitern und entsprechend flexibel anpassen lassen.

Der Masterstudiengang bietet Gelegenheit sich mit noch unbeantworteten Fragestellungen aus dem sich stets ausweitenden Feld der Gestaltung forschend auseinanderzusetzen. Das Masterstudium vermittelt Kenntnisse und Fähigkeiten, die notwendig sind um Analysen, Konzepte und Umsetzungsszenarien für komplexe und neuartige Aufgabenbereiche zu entwickeln. Aufbauend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den angrenzenden Forschungsbereichen können sich die Studierenden mit jenen offenen Problemstellungen vertraut machen, für die kommunikative und gestalterische Ansätze von zentraler Bedeutung sind.

Folgen Bachelorarbeiten Fragestellungen der Vorarlberger Industrie?

Markus Hanzer: Ja. Die Studierenden haben die Gelegenheit sich mit konkreten Fragestellungen auseinanderzusetzen. Sie lernen in Teams zu arbeiten und helfen einander bei ihren Projektarbeiten und sie sollen ihre Ideen soweit realisieren, dass eine möglichst realistische Evaluierung ihrer Leistungen erfolgen kann. Wir hoffen daher auf eine möglichst intensive und fruchtbare Kooperation zwischen Vorarlberger Unternehmen und Institutionen mit der FH Vorarlberg.

Wie sehen Sie die Kontakte der FH zur Kreativbranche?
Markus Hanzer: Wir sind an einem gemeinsamen Dialog und Austausch sehr interessiert. Wir haben deshalb unter dem Titel "OpenIdea" eine monatliche Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Internationale Gäste aus unterschiedlichsten Bereichen – Markenkommunikation, Medien, Signaletik, Informationsdesign, etc. ­– stellen sich einer frei und allgemein zugänglichen Diskussion. Diese Veranstaltungen bieten reichlich Gelegenheit zur Vernetzung. Die aktuellen Termine sind auf intermedia.fhv.at zu finden.

(Anmerkung der Redaktion: die Präsentation des Studienganges Intermedia neu: findet ab 14.4 Im Designforum statt)