Interview des Monats

Unter dem Titel "LAVA Award" zollt die Kulturabteilung des Landes Vorarlberg der Kreativszene im Vierländereck seit 2014 Anerkennung. Im Rahmen der heurigen POTENTIALe wird der letztjährige LAVA-Award-Gewinner Florian Freihöfer (Jg. 1980) wieder dabei sein. Der deutsche Produktdesigner präsentiert auf der ArtDesign sein Leuchtobjekt "Vary".

Herr Freihöfer, was ist "Vary"?

Florian Freihöfer: "Vorderhand ein Leuchtobjekt. Allerdings nimmt es je nach Stellung des Betrachters eine andere Form an. Diese Konzeption ist Ausdruck meiner künstlerischen Haltung, die die permanente Veränderung als Grundlage unseres Daseins versteht. Es kommt zur Kommunikation zwischen Objekt und rezeptivem Sein. Die Leuchte schenkt uns einerseits schlichtweg Licht, andererseits aber auch die Chance, in entspannter Neugier neue Sichtweisen zu erlangen. „VARY“ ist inspiriert davon, dass wir uns ständig verändern müssen oder wollen. Sie spielt mit der optischen Täuschung geometrischer Formen, die sich je nach Perspektive des Betrachters ändern – sie verschmelzen vom Eckigen zum Runden und stehen so symbolhaft für Wandlung und Veränderung."

Ihr Werdegang startete  im Maschinenbau?

Florian Freihöfer:  "Ursprünglich hat mich immer das Harte angezogen. Erst später habe ich die weiche, gestalterische Seite in mir entdeckt. Zuerst machte ich allerdings eine Ausbildung im Maschinenbau und war als Panzermechaniker beim Heer. Um weiterzukommen habe ich das Abitur nachgeholt und Grafikdesign studiert. Mein Abschlussprojekt galt dem Designen eines Flakons, das hat mich so gefesselt dass ich Produktdesign studiert habe, verschiedene Praktika bei Industriedesignfirmen absolviert habe und mich von meinem Dozenten und Mentor Patrick Frey inspirieren ließ. Das Leuchtobjekt war meine Abschlussarbeit an der Hochschule. Mich beschäftigt insbesondere die Frage, wie Designer neue Wege finden können."

Wie gehen Sie dabei vor?

Florian Freihöfer: "Ich habe bei "Vary" bewusst Räume gesucht, die Objekte und Menschen verbinden. Der Zwischenraum ist für mich der Ort, der am wichtigsten war - quasi der Zwischenraum der Veränderung. Man hat oft Angst sich an Dinge heranzuwagen, weil man nicht weiss, was danach kommt. Dabei muss man die Dinge nur von einem anderen Standort sehen und kann dann einen anderen Standpunkt erzielen. Wenn man sich selber um das Licht bewegen muss, geht man eine Beziehung mit ihm ein. Kurz: die Interaktion ist das Ding.

Was ist Ihnen im kreativen Prozess am Wichtigsten?
Florian Freihöfer: "Mir ist Spaß und Freude beim Industriedesign ganz wichtig. Ich arbeite sehr gerne mit anderen in einem kreativen Umfeld zusammen. Hier in München sind viele Designbüros in der Gegend.  Ein loser Austausch mit Grafikdesignerinnen, Filmern, Leuchtenbauern findet stets statt. Zusammen kann man viel mehr erreichen. Wir tauschen uns aus. Das ist mehr als Co Working, wir helfen uns gegenseitig. Ich brauche öfter jemand Externen, der mir bestätigt ob ich auf dem richtigen Weg bin. Wenn man in einer Firma zusammenarbeitet, wird der Fokus - meines Erachtens - zu stark eingeschränkt. Ein ehrliches Feedback von einem Besucher der bei mir Kaffee trinkt, ist für mich hingegen sehr wertvoll."

"Vary" überzeugte und gewann gleich mehrere Awards?

Florian Freihöfer: "Ja, beim German Design Award 2016 erhielt ich für "Vary" den Special Mention 2016, der besonders gelungene Teilaspekte oder Lösungen würdigt. Auch den "A'design award gold 2014" und "Light and Building Plus Award 2016" erhielt "Vary". Beim letztjährigen LAVA Award überzeugte "Vary" durch seine schlichte, reduzierte Formensprache und funktionale Erscheinung. Heuer werde ich vom 11. bis 13. November wieder im Feldkircher Reichenfeldareal bei der ArtDesign zu Gast sein - ich freue mich schon darauf! Ich finde es toll wie sich Johanna Bernkopf und Ihr Team für die Stadt Feldkirch kulturell engagieren. Die Menschen in Vorarlberg haben mich und auch die anderen jungen Designer sehr freundlich und herzlich behandelt. Zudem haben sie ein großes Interesse und eine interessante Neugier für Kunst und Design. Die Lockerheit und Lebensfreude der Menschen hat mir sehr gut gefallen und ist auch ein wesentlicher Grund warum ich dieses Jahr in Feldkirch meine Arbeit zeigen möchte."