Interview des Monats

Andrea Gassner (Jg. 1975) ist seit 2010 Teilhaberin des Atelier Gassner und übernahm nun 42 Jahre nach der Gründung durch ihren Vater Reinhard Gassner am 1. Juli das x-fach national und international ausgezeichnete Unternehmen. Jüngste Auszeichnungen sind Bronze beim European Design Award und Winner des Certificate of Typographic Excellence in New York 2018.

Was wurde alles neu mit 1. Juli?

Andrea Gassner: „Es ist auf der einen Seite ein Neustart, zum anderen eine Firmenübernahme. Ich bin mit dem Unternehmen groß geworden – seit 1999 Mitarbeiterin und seit acht Jahren Teilhaberin. So betrachtet bin ich ein „alter Hase“ in der Branche. Ich weiß, worauf ich mich einlasse, liebe die Herausforderung im Leben. Neu ist der Standort Marktplatz 4 mitten im Stadtkern von Feldkirch und der Name Atelier Andrea Gassner. Neben den pragmatischen Gründen für neue Räumlichkeiten war ein wichtiger Beweggrund, meinen eigenen Raum zu finden und zu definieren. Den Blick zu schärfen auf meine eigene Persönlichkeit und Stärken.“

Wer arbeitet mit Ihnen im Team, wie ist die Aufgabenverteilung?

Andrea Gassner: „Es braucht ein ganzes Team von Spezialisten, die für ein Gelingen verantwortlich sind. Wir arbeiten emanzipiert und prozessartig mit der gesamten Projektcrew zusammen, Workshop für Worshop, meist schon ab der Gebrutsstunde des Projektes, mit nötigem gegenseitigen Respekt und Vertrauen. Grundsätzlich ist die Wahl der Zusammenarbeit mit Partnern projektbezogen, wie z.B. für einen Dach-Auftrag der Holzwirtschaft aus dem deutschsprachigem Raum arbeiten wir mit der TUM München Maren Kohaus, Hermann Kaufmann und Konrad Merz zusammen.

Zu unserem Kernteam gehört Marcel Bachmann (seit 2000 Mitarbeiter) und Christopher Walser (seit 2014 Mitarbeiter). Neben meinem Team arbeiten wir mit freien Projektpartnern zusammen - wie mein Vater Reinhard Gassner, Marko Sauer aus Wil (Architekt,Chefredakteur bei Modulor) und Alberto Alessi aus Zürich (Architekt, Kurator und Pädagoge).“

Sie sind bekannt dafür, für Gestaltung sehr in die Tiefe zu gehen. Wie hoch ist die Akzeptanz der Auftraggeber, für gute Ergebnisse Zeit und Kosten in Kauf zu nehmen?

Andrea Gassner: „Gutes Design spricht für sich. Design ist in erster Linie ein gedanklicher Prozess, bei dem es um Inhalte statt um Äußerlichkeiten geht. Design hat die Aufgabe, Funktion und Inhalte bei den Zielgruppen verständlich zu machen. Wir haben das grosse Glück, dass unsere Kunden Vertrauen in unsere Arbei und Ideen haben. Das Problem ist, dass sich heutzutage jeder Designer nennen darf und dass Qualität von Design nicht so einfach gemessen und nur von Fachleuten beurteilt werden kann. Auftraggeber müssen sich aber verlassen können auf solide Arbeit und zumindest ein Gefühl dafür haben, in welcher Liga gespielt wird. Wir sind bekannt für herausragende Arbeiten und Projekte, arbeiten mit allen Medien angewandter Gestaltung im mit dem Ziel, eine bestimmte Kommunikationsaufgabe gut zu lösen. Deshalb sind die Auftraggeber auch bereit die nötige Zeit und Kosten in Kauf zu nehmen.“

Welche Tätigkeiten erachten Sie für die Zukunft der Gestaltung als besonders wichtig?

Andrea Gassner: „Da die Anforderungen an den Designer vielschichtiger geworden sind, ist das Zusammenwirken auf verschiedenen Ebenen wichtig: Gestaltung in Verbindung mit Raum und Öffentlichkeit. Wir sollten die Kompetenzen und das interdisziplinäre Zusammenwirken zwischen Architekten, Designern, Wissenschaftern, Kuratoren nutzen. Das bedeutet, mit Offenheit, Kooperationswillen und Neugier gemeinsam diskutieren und losarbeiten. Meine Vision ist daher, mehr Aufgaben in den Bereichen öffentlicher Raum und dreidimensionale Gestaltung zu bearbeiten und auch verstärkt Architekten einzubeziehen. Wenn Grafik räumlich wird, bekommt sie für mich eine neue, erweiterte Bedeutung. Im Studium in Holland wurden wir darin geübt, grafische, kommunikative und räumliche Aspekte miteinander zu verbinden.“

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg am neuen Standort Marktplatz 4 in Feldkirch!