Interview des Monats

Christian Holzknecht (Jg. 1968) ist seit 35 Jahren als Fotograf international tätig und hat vor 5 Jahren einen „Turning Point“ erreicht. Der einstige Elektrikerlehrling und langjährig in Los Angeles erfolgreich tätige Fotograf hat sich im Alter von 45 Jahren intensiv selbst erkundet und fortan zahlreiche Ausbildungen im energetischen Bereich sowie als Kommunikationstrainer absolviert. Seither arbeitet er zusätzlich zu seinem Fotografenberuf als Motivationscoach, Trainer und Speaker in ganz Europa.

Herr Holzknecht – Wertschätzung hat bei Ihnen einen hohen Stellenwert?

Christian Holzknecht: Vor zwei Jahren habe ich beschlossen nur mehr mit jenen zu arbeiten, die mir volle Wertschätzung für meine Arbeit schenken. Dadurch fielen 80 % der damals bestehenden Kunden raus – u.a. auch richtig große Kunden wie ein sehr bekannter deutscher Baumarkt... Das hat mich zwar finanziell anfangs ausgeblutet, aber eine völlig neue Qualität in meine Arbeit gebracht. Seither kooperiere ich ausschließlich mit Kunden, die mit Herzensenergie arbeiten wollen. Das mag für die Werbebranche ungewöhnlich klingen, funktioniert jedoch.

Seit einem Jahr haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt von Vorarlberg nach Wien verlegt?

Christian Holzknecht: Ja, das urbane Umfeld einer Weltstadt ist für mich perfekt. Hier treffe ich große Auftraggeber, hier ist mein Hotspot für Fotoshootings und Coachings. Kunden aus ganz Europa fliegen zu mir, teilweise sogar aus den Vereinigten Staaten. Ich bin zweimal jährlich in New York und checke aktuell die Entwicklung von Kunstprojekten ab. Ich lebe in Wien, bin weiterhin international tätig und komme auch immer wieder gerne nach Vorarlberg. Vor kurzem habe ich vor Hohenemser Pädagogen zum Thema „Kinder mit Begeisterung auf deren Bühne rocken“ referiert. Mir geht es darum, über die Lehrer junge Menschen zu erreichen. Ich möchte ihnen den Wert aufzeigen, sich selbst so anzunehmen, wie sie sind – und dass sie genau so perfekt sind, wie sie sind.

Sehr viele Ihrer Blogposts handeln von der „inneren Schönheit“?

Christian Holzknecht: Menschen neigen dazu, ein oft viel zu negatives Bild von sich zu entwickeln. Wenn die Kamera hochgeht wechseln die meisten in den „ich-werde-jetzt-fotografiert“-Modus. Dies ist meist eine eher unsichere Haltung. Viele haben ein Bild von sich, das nicht positiv oder schön ist. Emotionen wie Unsicherheit, Selbstzweifel und Stress werden dann mit aufs Bild gebannt. Moderne Menschen haben hierzulande tausende Gedanken täglich, bei den meisten sind leider 90 % davon negativ... Das beginnt schon bei den jungen Menschen. Dabei kommt kein Baby auf die Welt und findet die eigenen Schenkel zu dick. Aber bereits 10jährige Mädchen haben diese Wahrnehmung bereits von sich selbst... Hier ist noch viel zu tun.

Sie sind weiterhin als Fotograf tätig?

Christian Holzknecht: Mein Interesse gilt den Menschen. Mein Ziel war es immer, wahrhafte Bilder zu machen. Fotografieren und Motivationscoaching sind nicht zwei Paar Schuhe, ich bin ich, ich mache immer das Gleiche: Wer mit Menschen zu tun hat und nicht spürt wie es den Menschen vor der Kamera geht, wird nie die besten Bilder schießen. Wer viel von Menschen versteht, der bekommt andere Fotos oder auch: wer sich als AuftraggeberIn/KundIn beim Fotoshooting nicht gut fühlt, wird keine wahrhaften Bilder von sich erhalten. Ich habe seit 25 Jahren die Mission, Menschen im Herz berühren zu wollen. Damals geschah dies ausschließlich in Form von Fotos. Heute, mit meiner Zusatzausbildung als Coach, verbinde ich diese zwei Elemente und erreiche viel mehr Menschen und eröffne – durch Bilder und Geschichten – einen zusätzlichen Wahrnehmungskanal.

Sie gaben Kindern die an Krebs erkrankt sind, im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht?

Christian Holzknecht: Die Serie „Onco Heroes“ entstand nach dem telefonischen Hilferuf einer Mutter, die sich gemeinsam mit anderen Eltern für den Weiterbestand der Kinderonkologie in Dornbirn einsetzt. Ich habe elf Fotos von jungen Menschen im Alter von vier bis zwanzig Jahren, die alle gegen den Krebs gekämpft haben oder es noch immer tun, gefertigt, um den Stimmen ein Gesicht und damit mehr Gewicht zu geben. Dieser Facebook-Post war einer der erfolgreichsten überhaupt – er wurde über 1200mal geteilt. Auch dies ist eine Wertschätzung, die mich berührt hat.

Ihr Buchprojekt „Perfect“ zeigt Menschen abseits von Schönheitsidealen?

Christian Holzknecht: Die Bilder dieses Buches zeigen Menschen die körperlich gezeichnet, aber mit sich selbst im Reinen sind. Sie verkörpern Perfektion abseits von Schönheitsidealen, ungeschminkt und authentisch. Das bewusstseinserweiternde Buch liegt fix und fertig fotografiert und geschrieben in der Schublade, ich bin bereits zwei Projekte weiter im Kopf. Die Crowdfunding-Idee für den Druck hat nicht funktioniert, vielleicht waren die möglichen Unterstützer noch nicht reif dafür. Ich bin überzeugt davon, dass ich noch den richtigen Verleger finde, der diese Arbeit wertschätzt. Auf den Punkt gebracht: ich suche Unternehmer, die im Spüren und der Liebe sind, nicht im Mangel und in der Gier. Ich bleibe dran, denn Wertschätzung – gerade bei diesem Thema – ist mir ein großes Anliegen.

Vielen Dank für das Gespräch!