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Interview des Monats

VLOW!, „Tage der Utopie“ oder das Symposium "Tri" – der Bregenzer Kommunikationsberater Hans Joachim Gögl wird mit diesen drei besonderen Marken und Veranstaltungen stets verbunden. Als Kurator der VLOW! befragten wir ihn zu den Anfängen dieses am 5. und 6. Oktober im Festspielhaus stattfindenden Kommunikationskongresses.

Herr Gögl, Sie treten als Kommunikationsstratege und Berater vielfach mit „besonderen Projekten“ auf. Wie kam es dazu und zu Ihrem Engagement für die VLOW!?

H. Gögl: Mich persönlich interessiert im Grunde genommen die Vermittlung. Das ist meine Leidenschaft: Das lebendige, spannende Lernen und Kennenlernen. Solche Formate spiegeln meine Begeisterung für Begegnung, Vernetzung und „sich gegenseitig Zuhören“ wider. Ich bin sehr dankbar, dass ich mich solchen Themen widmen kann. Das reine Erfüllen von Aufträgen war nie mein Ziel, Eigenprojekte standen stets im Vordergrund. 1996 organisierte ich ein Architektursymposium zum Thema energieeffizientes Bauen, das für die Länder Österreich, Deutschland und die Schweiz alle zwei Jahre im Festspielhaus stattfindet. Dieses Symposium hat sich sehr erfolgreich entwickelt und als das Festspielhaus eine interreg-Kooperation mit der Messe Friedrichshafen starten wollte, ist man an mich herangetreten um das Konzept für den VLOW!-Kongress zu entwickeln. Meine Idee war, ein Festival zu gründen, wo es um die Vernetzung von Kommunikationsgestaltern und Experten mit Raumdesignern, Architekten etc. geht.

Was ist das Besondere an der VLOW!?

H. Gögl: „Der Schwerpunkt liegt auf Kooperation. Viele Kongresse sind auf ein Thema und eine Zielgruppe fokussiert. Die VLOW! thematisiert das Zusammenspiel, eröffnet den Zielgruppen erweiterte Märkte, neue Kooperationspartner, erweiterte Aufgabengebiete und größere Kompetenzfelder. Es geht sehr stark um Vernetzung, nicht vordergründig um Wissensvermittlung. Die VLOW! ist ein Ort, an dem man sich kennenlernen kann. Ein spezielles Instrumentarium ist der VLOW!-Markt, an dem jeder die Möglichkeit hat, einen Workshop anzubieten und rund 30 Workshops parallel zur Auswahl hat. Dies ist beim Kongress sogar spontan möglich. Die Veranstaltungen sind für alle Menschen, die sich professionell mit Kommunikation (Werbe- und Marketingexperten, Grafikdesigner, PR-Berater, Fotografen, Mediendesigner ua) beschäftigen. In erster Linie erlebt man hier neue Formate der lebendigen Vermittlung von Botschaften.“

Wie schätzen Sie die Wahrnehmung der VLOW! innerhalb von Vorarlbergs Kommunikationslandschaft ein?

H. Gögl: „Heuer fand ein echter Durchbruch in Bezug auf die heimischen Teilnehmer statt. In den Vorjahren verzeichneten wir deutlich mehr Anmeldungen aus Wien und Berlin, mittlerweile halten sich die regionalen Teilnehmer und die vielen Interessierten aus den Metropolen Berlin, Wien und Zürich die Waage. Die Kooperation mit den Institutionen der Kreativwirtschaft in Vorarlberg funktioniert gut. Die Vorarlberger Kommunikationsgestalter und Kommunikationsexperten merken nun, was sie für eine außergewöhnliche Vernetzungs- und Bildungsveranstaltung vor der Haustür haben.“

Ist Vorarlberg „groß“ genug für die Vielzahl an kreativen Projekten und Agenturen, die sich ringsum formieren?

H. Gögl: „Ich bin diesbezüglich sehr optimistisch. Es haben sich in den letzten Jahren neue Aufgabenfelder und Märkte in der Kommunikation entwickelt. So ist zB der Beruf des Szenografen – des Ausstellungsgestalters und  Kommunikationsexperten im Raum – entstanden. Ich bin verblüfft wieviele Berufsfelder, egal ob bei den Social Media mit völlig neuen Aufgabenfeldern für Journalismus, oder für Gestalter in der App-Entwicklung etc. entstanden sind. Wir sind eine Wissensgesellschaft, Informationsvermittlung ist ein zentrales Aufgabenfeld. Im selben Maße wie Industriearbeitsplätze verschwunden sind, entstehen neue – auch in einem so mitteleuropäischen Zentralraum wie Vorarlberg. Der Markt wächst, verändert sich jedoch stark.“