Interview des Monats

Der gebürtige Linzer Matthias Weissengruber (Jg. 1974) hat nach seiner handwerklichen Ausbildung zum Fotografen u.a. die Schule für künstlerische Fotografie in Wien besucht. Er arbeitet seit 2001 als People- und Image-Fotograf für gewerbliche und private Kunden in der DACH-Region. Seit 2012 unterrichtet er Fotografie und Bildsprache an der FHV im Studiengang InterMedia, trägt die internationale Auszeichnung Qualified European Photographer und ist seit 2015 Sprecher der Vorarlberger Berufsfotografen.

Stichwort „Verweis aufs Urheberrecht“? Was ist ihre Position?

Matthias Weissengruber: Das Verständnis für das Urheberrecht ist bei manchen Medienpartnern und deren Mitarbeitern noch recht gering. Es gibt diesbezüglich mehrere Aspekte: Einerseits ist es uns Fotografen wichtig, unsere Auftraggeber zu sensibilisieren. Darum erinnern wir immer wieder an das geltende Urheberrecht und die damit verbundenen Pflichten eines Herausgebers/Nutzers, allen voran die korrekte Namensnennung. Andererseits gibt es eine heikle Gratwanderung zwischen dem Bestehen auf das Urheberrecht und einem möglichen „Bedrohungsszenario“, das die Nutzer von Fotos gelegentlich entwerfen. Dies als Versuch, das Recht zu beugen. Wer als Fotograf sein Recht bei einem Kunden durchsetzen möchte, der auf das Urheberrecht pfeift, muss unter Umständen damit rechnen, dass er künftig von diesem Auftraggeber nicht mehr berücksichtigt wird.

Wie geht es dann weiter?

Matthias Weissengruber: Wenn die Veröffentlichung eines Bildes ohne Namensnennung in einem redaktionellen Medium oder aufgrund einer unerlaubten Verwendung Dritter von einem Fotografen in Rechnung gestellt wird, ist auf Seiten des Nutzers häufig wenig Verständnis dafür vorhanden. Manche Kollegen wenden sich in solchen Fällen gleich an den sehr aktiven Rechtsschutzverband der österreichischen Berufsfotografen (rsv-fotografen.at) und klagen ihre Honorare ein. Die Anwälte des RSV handelten für österreichische Berufsfotografen 2018 rund 380 Urheberrechtsfälle und 150 Eintreibungsfälle erfolgreich ab, Tendenz steigend. Ich persönlich musste glücklicherweise noch keinen Fall vor Gericht bringen. Wer sich ein wenig mit dem Urheberrecht beschäftigt, kann dem verantwortlichen Herausgeber schnell erklären, worin der Verstoß gegen das Urheberrecht begründet liegt. Vielfach wird das Bild ja nicht vom Kunden selbst, sondern von Dritten (Verlagen u.a.) ohne Namensnennung publiziert.

Es geht Ihnen dabei um mehr als „nur“ Honorare?

Matthias Weissengruber: Die Namensnennung des Urhebers bzw. des Copyright-Inhabers hat nicht nur eine gesetzliche Grundlage. Sie ist auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber der Fotografin oder dem Fotografen. Wertschätzung ist ein Thema, das derzeit ja auch die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation als Jahresmotto begleitet. Als Entschädigung ist eine Namensnennung natürlich nicht ausreichend, jeder Urheber hat ein Recht auf die Entlohnung seiner Arbeit. Dazu gibt es eine druckfrische Broschüre, die ich allen Herstellern und Nutzern von Fotos wärmstens empfehle: „Bildhonorare 2020“, herausgegeben vom Fachverband der österr. Berufsfotografen. Diese bildet eine Grundlage für den Wert der Veröffentlichung/Nutzung eines Fotos durch Dritte, bzw. wenn ein Foto aus dem Archiv eines Fotografen stammt. Darin wird genau beziffert, welche Honorare aufgrund von Format, Auflage und Medium anzusetzen sind. Die Broschüre wird auch von Richtern als wichtige Grundlage für ihre Entscheidungen herangezogen. Sie kann bei der Fachgruppe der Berufsfotografen angefordert werden.

Kunden verlangen im Uber- und Airbnb-Zeitalter einfache Handlings - z.B. für die Dauer von Nutzungsrechten?

Matthias Weissengruber: Das ist legitim, die Verwendung kann individuell vereinbart werden. Die Rechte der Fotografen dürfen dennoch nicht übergangen werden. Wir arbeiten partnerschaftlich mit Agenturen zusammen und freuen uns, wenn Auftraggeber aus der Kreativbranche den Wert der Kreativarbeit schätzen und entsprechend honorieren. Aber ich sehe natürlich auch die Stolpersteine: Werbeagenturen unterliegen vielfach strengen Verträgen durch ihre Auftraggeber. Gewinnspannen werden geringer, es werden Pauschalen und die Übertragung sämtlicher Nutzungsrechte verlangt.

Meiner Meinung nach gehört die Trennung von Aufnahmehonorar und Nutzungshonorar wieder in die Köpfe unserer Kollegen und Auftraggeber. Im digitalen Zeitalter ist es zudem möglich, dass Mitarbeiter – ob in Agenturen oder Verlagen – die Art und Dauer der Nutzungsrechte einfach verwalten. Es ist generell darauf zu achten, dass die Foto-Nutzung durch Dritte oder eine einfache Weitergabe an Dritte ohne Entgelt und ohne entsprechende Vereinbarung - nicht zulässig ist. Zum Thema Wert: Wenn man sich die Gesamtkosten einer umfangreichen Marketingkampagne anschaut, machen die Fotografenhonorare ja einen verschwindend geringen Prozentsatz aus. Man bedenke daher stets, in welchem Verhältnis die Kosten eines Fotografen zur Publikation stehen. Der eigentliche Content wird oft zu gering oder gar nicht honoriert. Natürlich sollte daher aber auch für die Aussendung eines kleinen Hotels in einer Tourismusregion anders kalkuliert werden als für die internationale Kampagne eines Konzerns.

Danke für das Gespräch! Weitere Informationen zu den Berufsfotografen auf

www.berufsfotografen-vorarlberg.at