Interview des Monats

Martin Dechant (Jg. 1978) ist Geschäftsführer der PR Agentur ikp Vorarlberg GmbH und stellvertretender Obmann unserer Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation. Der Branchennachwuchs liegt ihm sehr am Herzen, sein Einsatz gilt u.a. der Verbesserung der Schulsituation für die Lehrlinge - und der Hoffnung auf mehr Lehrstellen.

Die Kommunikationsbranche ist nicht für sehr viele Lehrlinge bekannt. Warum ist die Lehre wichtig?
Martin Dechant: Wir haben aktuell 11 Lehrlinge in 9 Ausbildungsbetrieben bei uns in der Branche Werbung und Marktkommunikation - früher waren es deutlich mehr. So gut wie alle Lehrlinge sind auf Grund von Eigeninitiative zu ihrer Lehrstelle gekommen. Das heißt, die Agenturen schreiben die Stelle nicht aus, sondern nehmen Lehrlinge die motiviert sind, sich selbst melden und es dann auch menschlich gut passt. Klar ist jedoch, dass wir deutlich mehr Bewerbungen bei uns in der Branche haben, als Lehrstellen. Das würden sich andere Branchen nur wünschen. Alleine bei mir im Unternehmen müssen wir regelmäßig absagen, da wir aktuell keine freie Lehrstelle haben. Das ist schade, denn qualifizierte Kolleg/innen auszubilden, sollte in unser aller Interesse sein. Aber die Lage könnte sich nun in der ganzen Branche ändern, bzw. die Situation wird sich stark verbessern.

Warum das? Was ändert sich bald für Lehrlinge unserer Branche?

Martin Dechant: Ab dem Herbst 2020 haben wir endlich wieder die Berufsschule bei uns im Land. Das heißt, unsere Lehrlinge müssen nicht mehr in die dreimonatige Blockschule nach Salzburg, sondern sind einfach - so wie die meisten anderen Lehrlinge in Vorarlberg - einen Tag pro Woche in der Berufsschule. Die anderen Tage sind sie normal im Ausbildungsbetrieb. Das erleichtert den Alltag für unsere Betriebe enorm.

Ab welcher Betriebsgröße kann die Aufnahme von Auszubildenden sinnvoll sein?
Martin Dechant: In jeder Größe! Unsere Branche ist geprägt von Ein-Personen-Unternehmen (EPU). Auch für diese macht die Ausbildung von Lehrlingen einen Sinn. So kann man sich seine/n erste/n Mitarbeiter/in selbst ausbilden und elegant in den Betrieb einführen. Wer sich vor dem Aufwand scheut oder nicht alle fachlichen Kompetenzen im Betrieb hat, kann zB einen Ausbildungsverbund mit einem befreundeten Unternehmen eingehen. Dazu kann die Lehrlingsstelle der WKV perfekt Auskunft geben und beraten – hier stehen eigene Ausbildungsberater den Mitgliedern zur Verfügung, welche eine individuelle Ausbildungsplanung für jeden einzelnen Betrieb gemeinsam mit den Agenturen machen.

Wie groß ist der Aufwand für einen kleinen Betrieb?
Martin Dechant: In kleinen Betrieben sehe ich den Aufwand fast kleiner wie in großen Agenturen. Denn im kleinen Büro ist der Lehrling hautnah dabei und lernt alleine schon durch die Transparenz und das Tagesgeschäft viel mit. Aber klar - es gibt klare Lernziele die man im Auge behalten muss. Aber das ist normal gut machbar. Wichtig ist - ein Lehrling ist „keine günstige Arbeitskraft“, sondern ein Fachkollege/in der Zukunft - hier hat der Betrieb Rechte und Pflichten. Hier kann ebenfalls die Lehrlingsstelle bzw. wir in der Fachgruppe gerne Auskunft dazu geben.

Vielen Dank für das Gespräch!