Interview des Monats

Unter dem Aspekt "Was wurde eigentlich aus....?" stellen wir als erste Persönlichkeit Beate Klein (Jg. 1973) vor. Die Kreative stammt aus Hard und hat u.a. als Texterin bei Demner, Merlicek & Bergmann in Wien, bei Scholz & Friends in Berlin und London und bei Bates in Barcelona gearbeitet und spricht Französisch, Englisch und Spanisch. Mit ihrem aus Bonn stammenden und ebenfalls in der Werbebranche erfolgreichen Mann Stephan wohnt sie in Wien und gründete 2006 den Family Concept Store "Herr und Frau Klein". Anlässlich der Eröffnung einer Dornbirner Filiale in der Mozartstraße 3 sprachen wir mit Beate Klein.

Fiel Ihnen der Abschied aus der Werbebranche schwer?
Beate Klein: Nein. Ich habe eine Menge erreicht (Auszeichnungen wie den Cannes Löwe Bronze, den London International Advertising Award u.a.) und hatte die Chance, in großen Kreativ-Agenturen im In- und Ausland mit großartigen Leuten zu arbeiten. In dieser Atmosphäre sind gute Arbeiten entstanden, auf die ich heute noch stolz bin. Meine Idee für eine Kampagne, die seit 20 Jahren läuft, heften sich mittlerweile andere, noch aktive Werber auf die Fahnen. Auch eine Art von Kompliment. Wie ich damals in Barcelona mit unserem ersten Sohn schwanger war, hatte ich erstmals die Gelegenheit, die Werbewelt von außen zu betrachten. Es war schnell klar, dass jetzt Zeit für Neues war. Im Idealfall etwas, das noch mehr von dem abdeckt, was mir Spaß macht.

Sie sind jetzt in einem völlig anderen Bereich tätig - wieviel Berührungspunkte haben Sie noch mit der Agenturwelt?
Beate Klein: Mit Agenturen eher weniger, aber mit Kommunikation und Konzeption andauernd. Die Werbung war für meinen Mann Stephan und mich eine gute Schule und das Arbeiten für starke Marken wie Mercedes Benz hat uns sehr geholfen, unsere eigene kleine Marke aufzubauen. Natürlich nicht mit Doppelseiten... Kreativität brauchen wir eher für Kommunikation ohne Werbebudget: dazu zählen unsere Schaufenster genauso wie Mundpropaganda, PR und Social Media. Und wenn ich Komplimente für den Schreibstil unseres Newsletters bekomme, zucken der Texterin in mir natürlich die Mundwinkel. Lustigerweise sind einige der besten Werber des Landes Kunden bei unserem HERR UND FRAU KLEIN. Und ich habe Freunde von früher, die weiter in der Werbung Karriere gemacht haben. Wenn wir uns sehen, sind sie oft ein bisschen neidisch auf mich und nicht anders herum.


Ist eine Rückkehr vorstellbar, oder liegt Ihr Herzblut nun in der Expansion von „Herr und Frau Klein“?
Beate Klein: Die Frage, in die Werbung zurückzugehen, hat sich nie gestellt. Ich kann jetzt viel mehr Ideen umsetzen und mein Beruf besteht aus einem Sammelsurium an unterschiedlichsten Jobs. Ich bin als Trüffelschwein auf einer Pariser Messe auf Produktsuche, dekoriere bis in die Nacht den ganzen Laden um oder pokere um bessere Konditionen mit Lieferanten. Außerdem lerne ich täglich neue spannende Leute kennen. Wir haben das Glück, jene Kunden zu haben, die alle haben wollen: vom Operntenor bis zum Bestsellerautor, Burgschauspielerinnen und Politikerinnen und natürlich Herr und Frau Nachbarin. Und alle sind sie ganz normale Mamas oder Papas mit den gleichen Fragen und Problemen.  
Für mich gibt es keine harte Trennung von Beruf und Privatleben. Ich habe das Glück, den ganzen Tag das zu tun, was ich gerne tue und kann damit sogar meinen Lebensunterhalt bestreiten – und ganz nebenbei auch noch für den von 18 Familien sorgen. Wir werden weiter versuchen zu wachsen und dabei darauf achten, weder unseren roten Faden noch unsere Überzeugung zu verlieren.

Vielen Dank für das Gespräch!