Interview des Monats

Markus Curin (Jg. 1979 ) blickt auf eine langjährige Erfahrung als Redakteur - u.a. bei der News-Gruppe, Wann & Wo und als Cross-Media-Redakteur der Raiffeisenlandesbank - zurück. Als Leiter des Contentstudios von Russmedia konnte er u.a. einen AdWin für eine Alpla-Kampagne entgegennehmen. Seit Jänner 2019 ist er Geschäftsführer des Vereines "Lehre in Vorarlberg".

Sie kommen aus der Kommunikationsbranche und sind der neue Geschäftsführer von „Lehre in Vorarlberg“ - was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Markus Curin:
Die Herausforderung, neue Projekte auf die Welt zu bringen und zu etablieren, begleitet mich schon seit vielen Jahren und reizt mich nach wie vor. Bei „Lehre in Vorarlberg“ war es zum einen die einzigartige Konstellation: Land, AK und WKV in einem Boot, das kann es so nur in Vorarlberg geben. Andererseits das Ausbildungsthema und die Perspektive, langfristig und nachhaltig tatsächlich etwas Positives für junge Menschen bewirken zu können. Wir möchten in der so wichtigen Phase der Berufsorientierung zur Stelle sein – mit Fakten, Inspiration und Service. Und ganz viel authentisch-sympathischem Storytelling. Neben diesen Basics hab‘ ich glücklicherweise auch die Freiheit, innovative Projekte wie die „VR Experience“ zur Lehrausbildung zu entwickeln, die bei der iMesse Premiere feiern wird.

Welche Voraussetzungen müssen Kreativbetriebe erfüllen, um ausbilden zu können?

Markus Curin: Wie bei allen anderen Betrieben muss logischerweise die Vermittlung des Berufsbildes gewährleistet sein. Sprich: Lernt der Lehrling zum Medienfachmann/zur Medienfachfrau auch alles, was in seinem Job von ihm erwartet wird? Stimmen die Voraussetzungen gibt’s den Feststellungsbescheid von der Lehrlingsstelle der WKV. Daneben sind es nur noch Formalitäten, die rasch erledigt sind: Passt die fachliche Kompetenz des/der AusbilderIn? Das können Zeugnisse oder entsprechende Praxis-Erfahrungen sein sowie ein absolvierter Ausbilderkurs. Sehr praktisch: Die Lehrlingsstelle der WKV unterstützt alle Betriebe während des gesamten Prozesses.

Auch ein kleiner Betrieb hat - dank Ausbildungsverbund - gute Möglichkeiten zur Lehrlingsausbildung?

Markus Curin: Ganz genau. Es ist absolut kein Problem, wenn nicht alle Aspekte des Berufes erlernt werden können oder wenn es Abstriche an der Ausbildungszeit bzw. am Arbeitsplatz gibt. Dann schließen sich Betriebe mit anderen Unternehmen zusammen. Auch hier unterstützt die Lehrlingsstelle mit der Vermittlung von passenden Lehrbetrieben. Das kommt gerade kleineren Kreativbetrieben zugute, da es oftmals an mangelnden Ressourcen wie Zeit oder Manpower scheitert. Ich plane selbst, ab nächstem oder übernächstem Jahr einen Lehrling zu suchen, der dann im Verbund mit den Kommunikationsabteilungen von AK/WKV ausgebildet wird.

Neben der Bereitschaft, Nachwuchs selbst auszubilden, könnten auch Förderungen einen kleinen Anreiz darstellen?

Markus Curin: Absolut, denn durch die vielen Möglichkeiten an Förderungen reduziert sich der finanzielle Aufwand enorm. Neben der Basisförderung gibt es Unterstützung bei zwischen- und überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen, bei guten oder ausgezeichneten Abschlussprüfungen, für Weiterbildung oder Nachhilfe.  Leider wissen nach wie vor viele Betriebe zu wenig über diese Möglichkeiten. Deshalb gilt auch hier: Kontakt zur Lehrlingsstelle, dort gibt’s Hilfe vom Antrag bis zur Auszahlung.

Welches Potential sehen Sie für Betriebe, die Lehrlinge in der Kreativbranche ausbilden?

Markus Curin: Gerade Kreativbetriebe können nur gewinnen, wenn sie Lehrlinge ausbilden. Junge Menschen mit einer kreativen Ader werden zu eigenen Fachkräften und Experten „herangezüchtet“, anstatt wie so oft umständlich über Recruitingprozesse auf die Idealbesetzung zu warten. Allein schon durch die neuen Lehrberufe in der Branche – Agenturdienstleistung, Online-Marketing, Webdevelopment sowie Grafik, Print, Publishing und audiovisuelle Medien – gibt es nun zeitgemäße und sinnvolle Spezialisierungen, die nicht nur in Agenturen, sondern in allen Branchen dringend gebraucht werden.

Auch die Zielgruppe ist eine weit größere als in anderen Berufen. Ich denke hier besonders an MaturantInnen, AHS-SchulabbrecherInnen, QuereinsteigerInnen oder Erwachsene, die bisher nur in entsprechenden Abteilungen gearbeitet haben und sich nun spezialisieren möchten.

Und wie überall gilt auch hier, das große Ganze zu sehen. Auch wenn ein Lehrling nach seiner Ausbildung den Betrieb wechselt, hat die ganze Branche dadurch gewonnen. Nicht wenige kehren nach ein paar Jahren der Erfahrung gerne zu ihrem Ausbildungsbetrieb zurück. Aber das hängt natürlich mit der Qualität der Lehrzeit zusammen. Und nachdem es in der Kreativbranche sowieso mehr Bewerber wie Lehrstellen gibt, ein klarer Apell von mir: Bildet diese jungen Leute aus, die von sich aus schon wollen!

Nicht zuletzt deswegen bin ich begeistert von dieser Ausbildungsoffensive, die auf der i-Messe von Donnerstag bis Samstag einen ersten Höhepunkt erleben wird.

Vielen Dank für das Gespräch!