Interview: Alexander Rufenach

Als Designmanager begleitet Alexander Rufenach Marken und Unternehmen. Als Hochschullehrer an der Fachhochschule Vorarlberg im Studiengang InterMedia verantwortet er die Ausrichtung „Corporate Communication“. Im Interview spricht Rufenach über das Plakat im Kommunikations-Mix, den Mut Ideen zu verwirklichen und dass man ohne eine selbstkritische Haltung nicht weiter kommt.

Vom 6. bis 27. Oktober findet die Ausstellung „100 Beste Plakate 10“ im Campus Dornbirn statt. Sie werden die Ausstellung mit einem Vortrag über das Plakat als Medium und Kulturgut eröffnen. Wie wichtig ist das Plakat in einer polymedialen Markenkommunikation?

Das hängt von der Rolle ab, die man dem Plakat im Kommunikations-Mix zuweist. Wie werden die Stärken des Plakates im Zusammenspiel mit anderen Medien eingesetzt? Ein Plakat ist in der Regel ein Statement, welches mit radikal reduzierten Mitteln das Wesentliche eines Anliegens herausstellt und so einer Botschaft Aufmerksamkeit verschafft.

Plakate können provozieren, animieren, informieren, überraschen, Image prägen, Haltung zeigen, thematisieren, neugierig machen, einladen. Sie sind präsent, Teil des öffentlichen Raumes und gesellschaftlichen Diskurses, anerkanntes Kulturgut, unausweichlich – können somit flächendeckend Aufmerksamkeit und Bekanntheit gegenüber einem breiten Zielpublikum gewährleisten.

Integrierte, flankierende Maßnahmen wie Broschüren, Webseiten, Events, TV- und Funkspots, Flyer, Anzeigen, etc. dienen der polymedialen Vertiefung des jeweiligen (Marken-)Anliegens. Hier kann das Zielpublikum mediengerecht weiterführende Details und Informationen erfahren, wählen, bestellen, vergleichen oder anders aktiv werden. Schon heute können Mobilphone-Besitzer (mit Kamera und Internetverbindung) direkt vom Plakat weg, mit Hilfe von QR-Codes oder Augmented Reality Konzepten, in den digitalen Marken-Raum geführt werden. Hier bieten sich vielseitigste Optionen, einen persönlichen Dialog zu entfalten und somit eine interaktive Beziehung zwischen Marke und Nutzer herzustellen. Der Erfolg von integrierten Kampagnen hängt jedoch stets vom Mehrwert für den Nutzer ab.

Als Hochschullehrer für „Corporate Communication“ sind Sie seit 2009 an der FH Vorarlberg aktiv. Was versuchen Sie Ihren Studenten mit auf den Weg zu geben?

Mut und die richtige Einstellung im Rahmen der Schutzzone FH Vorarlberg, das Ungedachte, Ungesehene auszuprobieren, um an die eigenen Grenzen zu stoßen und diese stolz zu durchbrechen. Die Kommunikationsbranche ist ja stets angewiesen auf neue Talente und Ideen. Wer, wenn nicht die nachwachsende Gestaltergeneration, soll diese neuen Impulse, die die Welt von Morgen bestimmen werden, denn liefern? Nur wer brennt, kann Feuer entfachen. Jede Leistung und jeder Erfolg als Kommunikations-Designer wurzeln in einer Idee. Aber eine Idee allein reicht nicht. Es braucht auch den Glauben, die Überzeugung, die Idee zu realisieren. Ideen haben viele, aber Ideen die ewig im Kopf bleiben, sterben auch dort. Die FH Vorarlberg ist ein Ort, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, neben dem Einfallsreichtum und der Argumentationssicherheit auch handwerkliche Fähigkeiten für eine erfolgreiche Realisation der Idee, auf hohem Niveau zu fördern.

Junge Gestalter müssen klug sein – sehr klug und stark. Davon bin ich überzeugt. Neue Medien hin oder her: Keine Idee – kein Design. Niemand wird erfolgreich sein, wenn in seinem Kopf während des Studiums nicht dieser wertvolle Prozess stattgefunden hat, der zur Grunderfahrung und zu der essentiellen Erkenntnis auf dem Weg zum Designer gehört: Gestaltung als Träger von Ideen. Wer nichts mitzuteilen hat, hat auch nichts zu zeigen, und wer nichts zu zeigen hat, der wird nicht wahrgenommen und keinen Erfolg haben. Persönliche Stärke hat damit zu tun, Risiken zu meistern, einen eigenen Glauben zu entfachen und damit Auftraggeber und Publikum gleichermaßen zu überzeugen. Wenn diese Erkenntnis während der Ausbildung gereift ist, haben wir an der FH Vorarlberg viel gewonnen.

Kann man Kreativität überhaupt lehren beziehungsweise lernen?

Ideen fordere ich stets, ob ich sie auch lehre, hängt von den Studierenden, die den Diskurs annehmen oder ablehnen, zum großen Teil selbst ab. Das Meiste gibt es ja bereits. Und das macht es nicht leichter, die Welt täglich neu zu erfinden. Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der FH Vorarlberg ist es mein Ziel, eine praxisorientierte Innovationskultur zu etablieren. Ideen hat ja jeder. Jeden Tag. Aber zielgerichtet und punktgenau Kreativität abzurufen ist schon etwas komplexer, vor allem, wenn man davon leben möchte und den Intentionen des Auftraggebers gerecht werden muss. Denn dieser hat meistens ein ganz bestimmtes Problem, das er unter Kosten/Nutzen Aspekten innerhalb eines relativ engen Zeitfensters gelöst wissen möchte.

Professionelle Kreativität kann man nur zum Teil lernen. Meine Maxime ist es, dass eine gute Idee bestehende Regeln und Konventionen außer Kraft setzt und somit völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Um dahin zu kommen, muss man Neugierde, Talent, Empathie und Hartnäckigkeit mitbringen. Das kann gezielt gefördert werden. Es gibt natürlich Kreativitätstechniken, die wir gelegentlich auch anwenden. Aber ohne klares Kommunikationsziel, blühende Fantasie, reflektierten Verstand und eine selbstkritische Haltung kommt man da auch nicht weiter. Was ich versuche zu vermitteln, ist eine eigene Haltung. Jede Idee ist nur so gut wie die Argumente, die ihr zur Seite stehen.