Kulturpreis Vorarlberg 2021 in der Kategorie Fotografie vergeben

Lukas Birk gewinnt den Kulturpreis, die Anerkennungspreise in der siebenten Auflage des Preises von Casino Bregenz und der Dornbirner Sparkasse gehen an die ritsch sisters und Ronja Svaneborg.

Der Kulturpreis Vorarlberg wurde 2021 zum siebenten Mal ausgeschrieben und ist heuer der Sparte Fotografie gewidmet. Durch ein Auswahlverfahren der erweiterten Kunstkommission des Landes wurden Lukas Birk, Florian Gerer, Eva Kees, ritsch sisters – Maria & Anna Ritsch, Janine Maria Schneider und Ronja Svaneborg nominiert.

Der Kulturpreis Vorarlberg ist eine Initiative von Casino Bregenz zusammen mit der Dornbirner Sparkasse und mit Unterstützung des Landes Vorarlberg sowie des ORF Vorarlberg. Der Preis unterstützt innovative Formate und Genres und soll aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern eine würdige Plattform bieten, um ihr künstlerisches Schaffen zu präsentieren. Er wird jährlich vergeben, die zu prämierende Kunstgattung wird dabei jedes Jahr neu definiert.

Die beiden international erfahrenen Jurymitglieder – Sabine Gamper, Kunsthistorikerin, Autorin für zeitgenössische Kunst und Mitglied im künstlerischen Beirat im Fotoforum Bozen, sowie Herman Seidl, freischaffender Fotograf, Vorstandsmitglied und Kurator zahlreicher Ausstellungen im Fotohof Salzburg – bewerteten die eingereichten Fotografien im Rahmen der Vernissage im ORF-Landesfunkhaus und ermittelten schließlich die Preisträgerinnen und Preisträger. Ausschlaggebend für den Entscheidungsprozess waren vor allem Entwicklungspotenziale und Zukunftsperspektiven.

Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis wird dieses Jahr Lukas Birk ausgezeichnet.

Aus Sicht der Jury überzeugte der Fotograf Lukas Birk vor allem durch die zwei Tätigkeiten, die in seiner Arbeit zusammenfließen: Birk ist zugleich Fotograf und Archivar. Jurorin Sabine Gamper und Juror Herman Seidl präzisieren den einstimmigen Juryspruch, Lukas Birk mit dem Vorarlberger Kulturpreis auszuzeichnen:

„Lukas Birk ist ein fotografischer Jäger und Sammler, aber auch ein kreativer Erfinder und Produzent. Und Lukas Birk ist ein Foto-Archäologe. Das Jagen und Sammeln praktiziert er häufig in Konflikt- und Krisengebieten wie Myanmar, Afghanistan, Pakistan oder Iran, in denen Lukas Birk in der Vergangenheit unterwegs war. Die Ergebnisse seiner Recherchearbeiten und Teile seiner Archive stellt Lukas Birk zudem auch online auf verschiedenen Websites zur Verfügung.

Als Fotograf bevorzugt er das ‚authentische‘ Handeln mit analogen Techniken, sowie häufig auch mit Sofortbildtechniken, wobei er sein Augenmerk immer auf technische Lösungen und Möglichkeiten wirft, die aus dem Mangel, aus Situationen von Armut und aus dem Fehlen von professionellen Mitteln heraus entstehen.

Indem Lukas Birk in seiner Arbeit kaum zugängliche historische und aktuelle Fotografien aus Ländern, in denen Konflikte und Krieg herrschen, ans Tageslicht holt und einer breiten Öffentlichkeit sowohl in den Ländern selbst, wie auch außerhalb zugänglich macht, leistet er auch einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungsarbeit und zur Fotografiegeschichte. In diesem Sinne ist Lukas Birk auch ein Aktivist, der in direkter Zusammenarbeit mit ExpertInnen und den gegebenen Ressourcen in den jeweiligen Orten – und nicht von außen – agiert, und seine Rolle immer wieder neu aus einem de-kolonialen Blickwinkel heraus durchaus kritisch reflektiert zur Diskussion stellt.“

Mit den Anerkennungspreisen von 2.500 Euro, die im Rahmen des Kulturpreis Vorarlberg vergeben werden, werden heuer die ritsch sisters – Maria und Anna Ritsch und Ronja Svaneborg gewürdigt.

Jurymitglied Sabine Gamper (Fotoforum Bozen) über das Künstlerinnenkollektiv ritsch sisters – Maria und Anna Ritsch:

„Seit Anfang 2020 arbeiten sie als das Künstlerinnen-Duo ‚ritsch sisters‘ mit den Medien Fotografie und Video. Der Beginn ihrer Zusammenarbeit fiel mit der Zeit der Corona Pandemie zusammen, sodass die beiden Schwestern – Anna Ritsch lebt und arbeitet seit 2008 in New York City und ihre Schwester Maria lebt und arbeitet in Wien – sich de facto nicht mehr real treffen konnten und ihre Kooperation ins Netz verlegen mussten. Seit zwei Jahren experimentieren die beiden nun über die geografische Distanz hinweg mit verschiedenen Möglichkeiten virtueller Zusammenarbeit. Und diese Arbeitsweise bestimmt auch die Bildästhetik und die kulturellen Techniken von Bilderzeugung, derer sich die ritsch sisters bedienen.

So senden sich die Schwestern gegenseitig Fotos zu, wobei jede der beiden ihrerseits wieder mit weiteren Fotografien auf die Arbeit der anderen reagiert und diese weiterführt. Auf diese Weise kreieren sie einen fortlaufenden visuellen dialogischen Prozess, in welchen sie von Fall zu Fall auch andere befreundete Künstlerinnen mit einbeziehen.

Für die Ausstellung im ORF präsentieren die beiden ein Extrakt aus ihrer jüngsten gemeinsamen Arbeit ‚The Act of Sitting‘, die während des ersten Pandemie-Lockdowns im Frühjahr 2020 entstand. In zahlreichen Videochats analysierten die beiden den Umstand, dass dem Sitzen während dieser außergewöhnlichen Zeit eine besondere Rolle zukam.“

Juror Herman Seidl (Fotohof Salzburg) würdigt die Fotografin Ronja Svaneborg:

„Mit ihrer skulpturalen Bildinstallation ‚Faraway in time, space or sentiment‘ – also ‚Weit weg in Zeit, Raum oder Gefühl‘ folgt Svaneborg der Methodik von Dioramen.

Das Diorama, das Svaneborg geschaffen hat, basiert auf einer Fotografie aus Thy in Dänemark, dem Ort ihrer geografischen und sozialen Herkunft. Auf dem Bild sieht man ihre Mutter, die in ihrem brach liegenden Gemüsegarten sitzt. An sie angelehnt stehen alle ihre Gartenwerkzeuge. In der Ausstellung im ORF Landesstudio sind fünf Variationen des skulpturartigen, mit dieser Fotografie in unterschiedlichen Ausschnitten bedruckten Gartenabfallsacks zu sehen.

Mit dieser Arbeit – auch wenn mit diesen skulpturalen Fotografien nur ein Teil der gesamten Installation zu sehen ist – möchte Svaneborg zeigen, wie sich Landschaften in Menschen niederschreiben und wie sie deren Identität formt. Normalerweise fußen diese Vorstellungen auf mangelhaften Informationen, unzureichendem Wissen und fehlender Einsicht – genau so, wie uns auch ein Diorama immer nur ein einseitiges Fragment der Realität zeigen kann, die es darzustellen versucht.“

Thema für den Kulturpreis Vorarlberg 2022 wird die Sparte Interpretation zeitgenössischer Musik sein, wie die Preisstifter, Casino Bregenz Direktor Bernhard Moosbrugger und Martin Jäger, Vorstandsdirektor der Dornbirner Sparkasse, bekanntgaben.